Nachsuche ohne brauchbaren Jagdhund – Jagdschein und WBK weg!

Das Schleswig-Holsteinische Verwaltungsgericht (Az. 7 B 11/20; Quelle: juris) hat einem Jäger mit Beschluss vom 22.12.2020 den Jagdschein entzogen und die waffenrechtliche Erlaubnis widerrufen, weil er auf einer Drückjagd einen nicht brauchbaren Hund zur Nachsuche auf Schalenwild eingesetzt hatte.

Die Verwaltungsrichter stellten in dem Beschluss fest, dass der betroffene Jäger – im Übrigen früherer Vizepräsident des Landesjagdverbandes – als Jagdleiter einer revierübergreifenden Ansitzdrückjagd eingesetzt war. Ihm war in dieser Funktion bekannt gegeben worden, dass mindestens ein Stück Schalenwild krankgeschossen worden war. Er habe es dennoch unterlassen, eine Nachsuche zumindest für den Folgetag unter Einsatz brauchbarer Jagdhunde zu organisieren. Dadurch habe er eine fachgerechte Nachsuche vereitelt und gegen § 22a Satz 1, 1. Halbsatz BJagdG verstoßen.

Diesen Verstoß gegen § 22 a BJagdG werteten die Richter sogar als gröblich, weil ein Tier aufgrund der zu spät in die Wege geleiteten Nachsuche gar nicht erst gefunden wurde und eine weitere laufkranke Sau erst am nächsten Tag von ihren Qualen erlöst werden konnte.

Darüber hinaus wurde dem betroffenen Jäger auch zum Verhängnis, dass er als Jagdleiter dieser Gesellschaftsjagd kein anerkanntes Nachsuchengespann auf Abruf in der Nähe vorgehalten hat. Stattdessen begab er sich mit seiner reinrassigen Münsterländerhündin am Tag nach der Jagd selbst auf die Nachsuche. Diese blieb jedoch, wie die Richter darlegen, deshalb erfolglos, weil es sich bei der Hündin – trotzdem sie aus einer leistungsgeprüften Zucht stammt – nicht um einen brauchbaren Jagdhund im Sinn des § 27 Abs. 1 LJagdG Schleswig-Holstein handelte.

In der Summe all dieser Vorkommnisse bescheinigten die Richter dem Jäger „ein sowohl objektiv als auch subjektiv gesteigertes Fehlverhalten“. In derartigen Fällen sei die sofortige Unterbindung der Jagdausübung durch eine den Geboten des Tierschutzes und der Wildhege zuwider handelnde und damit jagdrechtlich unzuverlässige Person unumgänglich. Das öffentliche Interesse an dieser Entscheidung überwiege dem privaten Interesse des Jägers als Jagdscheininhaber. Eigentlich sei nämlich zu erwarten, dass der betroffene Jäger die jagdrechtlichen Regelungen befolgt, zumal er ehemaliger Vizepräsident des Landesjagdverbandes ist.

Hinweis:
Es kann nur dringend davor gewarnt werden, einen nicht brauchbaren Jagdhund einzusetzen. § 24 Abs.2 Sächsisches Jagdgesetz schreibt den Einsatz eines brauchbaren Jagdhundes u.a. bei der Nachsuche zwingend vor. Es ist davon auszugehen, dass diese Rechtsprechung des Schleswig-Holsteinischen Verwaltungsgerichts bundesweit Schule macht.

Martin Wißmann, Geschäftsführer LJVSN e. V

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