Nach Fund in Krauschwitz: Sachsen erläßt Allgemeinverfügung wegen Afrikanischer Schweinepest

Das Sozialministerium hat erste Maßnahmen eingeleitet, um ein Ausbreiten der Afrikanischen Schweinepest in Sachsen zu verhindern. So wird rund um Krauschwitz an der Grenze zu Polen eine besonders überwachte Zone eingerichtet. Dort war vor einer Woche das bisher einzige infizierte Wildschwein in Sachsen bei einer Jagd erlegt worden.

Vor einer Woche war bei einer Jagd ein Wildschwein zwischen der “mobilen Wildschweinbarriere” und dem westlichen Ufer der Neiße erlegt worden. Bei dem Tier handelt es sich um einen weiblichen Überläufer. Das heißt, das Wildschwein war etwas älter als ein Jahr und noch nicht ausgewachsen. Wie vorgeschrieben nahm der Jäger zwei “Schweissproben” vom toten Tier. Die Blutproben wurden untersucht und seit Ende vergangener Woche ist klar: Die Afrikanische Schweinepest (ASP) ist in Sachsen angekommen.

Veterinäre eines Bergungsteams untersuchen in Schutzanzügen ein totes Wildschwein
Bildrechte: dpa

Rasante Verbreitung bei den Nachbarn

Seitdem suchten die zuständigen Behörden in Dresden – darunter das Sozialministerium, die Landesdirektion, die Veterinärämter und die Bundeswehr als Betreiber des benachbarten Truppenübungsplatzes – nach Wegen und Möglichkeiten, das Ausbreiten der Afrikanischen Schweinepest zu verhindern. Nun hat Sachsen eine Allgemeinverfügung erlassen und eine Restriktionszone für Bekämpfung der Seuche festgelegt. Für Jäger, Schweinehalter und die Allgemeinheit gelten besondere Regelungen.

Die Restriktionszone beschreibt ein sogenanntes Gefährdetes Gebiet um die Abschussstelle eines mit ASP infizierten Wildschweins in der Ortslage Krauschwitz/Pechern im Landkreis Görlitz.

  • Für Jäger gilt in diesem Gebiet ein Jagdverbot für alle Tierarten.
  • Für verendet gefundene Wildschweine gilt eine Anzeigepflicht.
  • Jäger, die Fallwild anzeigen sowie bei der Bergung und Beseitigung mitwirken, erhalten dafür eine Aufwandsentschädigung.
  • Schweinhaltern ist in diesem Gebiet die Freilandhaltung und der Auslauf von Schweinen untersagt.
  • Für Hundehalter und ihre Tiere gilt ein Leinenzwang.
  • Messen, Versteigerungen und sonstige Veranstaltungen mit Schweinen sind untersagt.
  • Über die Nutzung von land- und forstwirtschaftlichen Flächen wird im Einzelfall entschieden.

Situation in Nachbarländern

Im benachbarten Polen sollen bereits mehr als 2.000 infizierte Wildschweine geschossen oder entdeckt worden sein. Auch in Schweinemastanlagen gab es Tiere, bei denen die Seuche nachgewiesen wurde. Knapp 60.000 Hausschweine mussten deshalb nach Angaben der polnischen Behörden getötet werden. Auch in Brandenburg breitet sich die ASP weiter aus und zieht von der Oder aus westwärts. Fast täglich steigt die Zahl der infizierten Tiere. Mehr als 130 Fälle sind gemeldet.

Schweinepest
Bau und Kontrolle der “Wildschweinbarriere” an der polnischen Grenze. Bildrechte: MDR/LN

Große Verunsicherung in der Oberlausitz

Im nördlichen Teil des Landkreises Görlitz sind Bauern, Jäger und Anwohner gleichermaßen verunsichert. Hans-Dietmar Dohrmann, Vorsitzender des Jagdverbands Niederschlesische Oberlausitz, weiß nicht, wie es in den Revieren rund um Krauschwitz in den nächsten Tagen und Wochen weitergeht. Immer wieder hatten Oberlausitzer Jäger den 135 Kilometer langen Elektrozaun zwischen Bad Muskau und Zittau als Wildschweinbarriere als unzureichend kritisiert. Zudem schreckte der oft stromlose Zaun Tiere nicht ab. Mehrfach hatten Jäger und auch Spaziergänger beobachtet, wie Wildschweine die Barriere überwunden haben. Wie Hans-Dieter Dohrmann berichtet, sei ein Keiler sogar problemlos durch einen massiven Lattenzaun gebrochen. Die Jäger im Landkreis haben seiner Ansicht nach ihren Teil dazu begetragen, das Ausbreiten der ASP zu erschweren. Mehr als 5.000 Wildschweine seien in dieser Jagdsaison im Landkreis Görlitz erlegt worden – ein neuer Rekord.

Rauchende Köpfe in Dresden und Görlitz

Das Sozialministerium geht davon aus, dass das erlegte Wildschwein ein Einzelfall sei. Das Tier ist wahrscheinlich aus Polen über die Neiße gekommen und wurde vom Elektrozaun gestoppt.

„Wir gehen davon aus, dass unsere Vorsichtsmaßnahmen erfolgreich sind.“

Andreas Friedrich Sächsisches Sozialministerium

Die Behörden wollen um Krauschwitz eine “Restriktions-Zone” einrichten, für die besondere gesetzliche Bestimmungen gelten. Wie groß die Kernzone oder weitere Schutzzonen werden, ist derzeit noch unklar, weil davon der Betrieb auf dem benachbarten Truppenübungsplatz Oberlausitz betroffen ist. Der mobile Elektrozaun könnte duch einen festen Wildzaun ersetzt werden, den Schweine nicht untergraben können. Auch in Teilen von Brandenburg werden jetzt massive Wildzäune errichtet.

Nordböhmen mit radikaler Lösung

Die polnischen Behörden hatten vergeblich versucht, mit festen Wildzäunen die Afrikanische Schweinepest einzudämmen. Nordböhmen dagegen setzt auf eine radikale Lösung. Wenn die Afrikanische Schweinepest in einem Revier aufgetreten war, wurden alle Wildschweine in einem festgelegten Umkreis geschossen.

Vier erschossene Wildschweine nach einer Treibjagd.
Erschossene Wildschweine nach einer Treibjagd im Landkreis Görlitz. Bildrechte: MDR/Uwe Walter

Quelle: MDR/uwa
https://www.mdr.de/sachsen/bautzen/goerlitz-weisswasser-zittau/krauschwitz-wildschwein-geschossen-aps-ausbruch-in-sachsen-100.html

Veröffentlicht in Allgemeine Themen, ASP.