Aktuelle ASP-Tierseuchenlage in Westpolen (Stand 22.11.2019, 16.30 Uhr)

STAATSMINISTERIUM FÜR SOZIALES UND VERBRAUCHERSCHUTZ
An die Mitglieder des ASP-Jour fixe der Sächsischen Staatsregierung

Aktuelle ASP-Tierseuchenlage in Westpolen (Stand 22.11.2019, 16.30 Uhr)

Sehr geehrte Damen und Herren,
wie Sie sicher aus der Presse erfahren haben, wurden am 14.11.2019 in der Nähe des Dorfes Tarnow Jezierny, Kreis Wschowski, Woiwodschaft Lebus ein positiver ASP Nachweis bei einem Wildschwein (Unfallwild vom 04.11.2019) festgestellt. Die epidemiologischen Untersuchungen laufen, es ist noch nicht abschließend geklärt, ob es sich um eine Sprungausbreitung handelt. Derzeit vermutet Polen als Eintragsquelle menschliches Handeln.

Dieser Ausbruch verändert die Risikobewertung im Hinblick auf einen Eintrag der Afrikanischen Schweinepest nach Sachsen nicht. Das Risiko eines Eintrags von ASP nach Deutschland ist auch nach Einschätzung des Friedrich- Löffler-Institut als “hoch” einstufen. Sprünge der ASP über größere Entfernungen, wie jetzt in die Woiwodschaft Lebus oder zuvor nach Belgien, Ungarn oder auch in die Tschechische Republik, verdeutlichen das bestehende Risiko einer Einschleppung nach Deutschland gerade durch menschliches Handeln.

Die Nachrichtenlage ist vielfältig, aufgrund der uns offiziell über den Bund übermittelten In formationen einschließlich der heutigen Bund-Länder-Telefonkonferenz von 16.00 Uhr ergibt es derzeit folgendes Bild:
Der neue Seuchenfall ist ca. 300 km vom nächstgelegenen Fall in Polen und ca. 250 km von den anderen ASP-Restriktionszonen in Polen entfernt. Die Anzahl der ASP-Nachweise bei tot aufgefundenen Wildschweinen liegt nach Mitteilung der polnischen Behörde bei aktuell 22. Die Totfunde verteilen sich auf 11 Standorte in der Region Lebus. Da seit dem 19.11.2019 eine intensive Fallwildsuche durchgeführt wird, ist mit einer steigenden Anzahl von ASP-Nachweisen zu rechnen.

Am 20.11.2019 wurde das Kerngebiet und eine umgebende Pufferzone neu definiert. Die geplante Pufferzone umfasst Teile der Powiate Wschowski, Nowosolski und Zielonogöski. Die Pufferzone erfasst damit auch die Woiwodschaft Niederschlesien und die Woiwodschaft Großpolen.

Ein Zaun von ca. 36 Kilometer Länge wurde um das Kerngebiet – in ca. 5 km Abstand um die ersten beiden Fundorte bis zum 18.11.2019 fertiggestellt. Ein zweiter Zaun befindet sich in Planung, er soll die bereits erwähnte Erweiterung des Kerngebiets vom 20.11.2019 umfassen.

Aus der heutigen Telefonkonferenz wurden zudem u.a. folgende Informationen zur Sachlage im Ausbruchsgebiet übermittelt:

  • Befristete Jagdruhe für Kerngebiet und Pufferzone
  • Probennahme für jedes Wildschwein angeordnet
  • intensive Fallwildsuche im Kerngebiet und Pufferzone, in Pufferzone bisher noch keine Kadaver gefunden
  • im Kerngebiet gibt es keine Schweinehaltung
  • Verbringungsverbote für Schweine

Auch dieser Ausbruch zeigt die eminente Bedeutung der Prävention. Sachsen führt seit dem ASP-Ausbruch in Tschechien im Sommer 2017 intensive Präventionsmaßnahmen durch.

Dazu gehören nicht nur entsprechende Tierseuchenübungen, sondern auch eine umfangrei- che Offentlichkeitsarbeit, die darauf hinweist, dass eine unachtsame Entsorgung von mit ASP – kontaminierten Schweinefleischerzeugnissen eine Infektionsquelle für Wildschweine sein kann.

Zu den Präventionsmaßnahmen gehören vor allem auch eine Stärkung der Biosicherheitsmaßnahmen in den Schweine haltenden Betrieben. Insoweit bitten wir Sie Ihrerseits auf Ihre Mitglieder hinzuwirken, die bestehende Biosicherheitsmaßnahmen zu überprüfen. Dies gilt selbstverständlich auch für die Jägerschaft.

Ein besonderes Augenmerk in der aktuellen Lage liegt auf einem wirksamen Monitoring. Verendet aufgefundene Wildschweine (Fall- /Unfallwild) müssen unbedingt den jeweils zuständigen Behörden gemeldet werden, um eine entsprechende Untersuchung auf ASP sicherzu- stellen. Dieses Monitoring ist ganz wesentlich für eine ASP-Früherkennung. Sollte es zu einem ASP-Eintrag kommen, ist es für die effektive Tierseuchenbekämpfung von zentraler Bedeutung, dass die Tierseuche möglichst früh erkannt wird.

Wir werden die ASP-Tierseuchenlage in der Woiwodschaft Lebus weiterhin intensiv beobachten und in die laufenden Vorbereitungsmaßnahmen auf einen möglichen ASP-Eintrag einbeziehen. Angeführt sei an dieser Stelle auch, dass die Expertengruppe der EU unter Beteiligung eines deutschen Experten vom FLI am 20.11.2019 gestartet ist, um Polen bei der Bekämpfung zu unterstützen. Auch hieraus erwarten wir weitere Erkenntnisse zum konkreten Ausbruchsgeschehen in Polen.

Darüber hinaus wird darüber informiert, dass vom 2. bis zum 5. Dezember eine ASP- Tierseuchenübung an mehreren Orten in Sachsen durchgeführt wird, um ganz konkret unterschiedliche Szenarien durchzuspielen. Unter anderem wird das Suchen von Kadavern im Wald mit Drohnen und Wärmebildkameras geprobt, das Aufstellen von Abwehrzäunen sowie die Simulation eines Seuchenausbruchs in einem Bestand von Hausschweinen.

Zum nächsten Jour fixe am 19.12.2019 werden sicherlich die ersten Erkenntnisse zu den Ergebnissen dieser Übung vorliegen.

Mit freundlichen Grüßen
Dr. Sabine Christochowitz
Referatsleiterin

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