Sieg auf ganzer Linie!? Sicher nicht!

NEUES aus der Arbeitsgemeinschaft Rotwild im Landesjagdverband

Sieg auf ganzer Linie!? Sicher nicht!  Aber mit unseren Diskussionen und unseren fachlich- sachlichen Positionen konnten wir zumindest bei der Festlegung der neuen Abschusspläne des Staatsbetriebs Sachsenforst und bei der einen oder anderen Art der Jagdausübung im Landesforst Veränderungen erwirken.

  • Die geplante Erhöhung der Abschussplanung konnte in den wesentlichen Forstbezirken vorerst verhindert werden.
  • Sachsenforst wird auf Elemente der Lappjagd, wie Flatterband und Wimpelketten, zu Jagdzwecken künftig verzichten.
  • Hinsichtlich des Jagdstrategie wird der Staatsbetrieb Sachsenforst in seinen Revieren ein 3 stufiges Bejagungskonzept, mit einem teilweisen Verzicht auf die Jagd im Januar, einrichten:
  • Zone 1 – Kernzone, Intervalljagd 01.08.-31.12., Notzeit- und Ablenkfütterung möglich
  • Zone 2 – Waldumbauzone, Intervalljagd, Jagdruhe vom 01.06. – 31.07., nur Notzeitfütterung möglich
  • Zone 3 – Verdrängungsbereiche, keine Fütterung, gezielte ganzjährige Beunruhigung des gesamten Wildes zwecks Verdrängung aus diesen Bereichen.

Unser Bemühen um einen angemessenen Umgang mit unserem heimischen Wild, um eine weidgerechte Jagd, unter Berücksichtigung von Tier- und Naturschutz, kann jedoch nicht eingestellt werden. Wir Jäger wie auch unsere Vertretung, der Landesjagdverband, sind aufgefordert, die Themen Rotwild, Schwarz- und Niederwild weiter kritisch zu begleiten und entsprechenden Diskussionen nicht aus dem Wege zu gehen. Wir müssen unser Wild, Flora und Fauna, wie auch die Jagd als Kulturgut in unserer Gesellschaft verteidigen.

Wir Jäger sind nicht die Erfüllungsgehilfen einer über Jahrzehnte verfehlten Forst- und Landwirtschaftspolitik mit häufig kontraproduktiver Förderung und entsprechenden Subventionen. Unser Wild ist nicht die Ursache für Stellenabbau, Strukturreformen, Agrarsteppen, Klimawandel, Monokulturen oder Borkenkäfer und Sturmschäden.

Wir Jäger sind auch nicht, die häufig von entsprechenden Interessengruppen geforderten Schädlingsbekämpfer bei Reh, Hirsch, Schwarzwild und eingewandertem Raubzeug.

Klimawandel, Sturmschäden, Käferbefall und ideologisierte Waldwirtschaft werden uns als Jägern und Naturschützern in den nächsten Jahren noch erhebliche Herausforderungen bescheren! Diese werden wir nicht allein mit der Büchse meistern können. Alle Aspekte der Hege müssen hierzu angewendet werden. Die gegenwärtige Situation eröffnet uns dabei Probleme aber auch Chancen.  So stellen die derzeit entstehenden Kahlflächen im Wald nicht nur Biotope (z.B. für das nahezu ausgestorbene Birkwild) dar, sondern bieten auch die einmalige Gelegenheit, (unbejagte) Wildäsungsflächen im Wald anzulegen und so das Wild entsprechend zu lenken und den Verbissdruck auf den künftig entstehenden Forstkulturen zu reduzieren.

Auch über Wildruhezonen und den Verlauf von Wanderwegen und Loipen wird zu reden sein, um Touristen und Erholungssuchende entsprechend zu kanalisieren und so dem Sicherheitsbedürfnis des Wildes Rechnung zu zollen, aber auch der notwendigen Aufforstung gute Rahmenbedingungen zu schaffen.

In diesem Zusammenhang sei auch an den seit Jahren geforderten Leinenpflicht für Hunde- zumindest in der Setz- und Brutzeit erinnert.

Dem gegenwärtig diskutierten Ansatz, auf den Kahlflächen im Wald Windkraftanlagen zu errichten, gilt es entschieden entgegenzutreten!

Gerade vor diesem Hintergrund müssen wir als wesentlichen Erfolg verbuchen, dass sich der Staatsbetrieb Sachsenforst und das Staatsministerium für Umwelt und Landwirtschaft bewegt haben und ein kleines Stück auf uns zugekommen sind. Dies ist zumindest ein Ansatz für eine künftige Zusammenarbeit und den weiteren Umgang miteinander.

Als nächste Schritte müssen jetzt mit der Landesforstverwaltung, der Jägerschaft und den Hegegemeinschaften gemeinsame Bejagungs-, Notzeit- und Fütterungskonzepte erarbeitet werden. Das Wildtiermonitoring ist weiterzuentwickeln und gemeinsame Datengrundlagen, gemeinsam mit der Wissenschaft, als Basis künftiger Abschussplanungen zu erarbeiten.

Angebote unsererseits liegen vor, es bleibt zu hoffen, dass diese angenommen werden und sich so eine neue Form des Miteinanders findet.

Wir möchten ein Zeichen an alle Waldbesitzer – gleich welcher Eigentumsform – senden. Wir Jäger sind bereit, unseren Teil zur Bewältigung des Klimawandels in Forst beizutragen.

Es gilt aber der Grundsatz „Wald mit Wild“ und nicht „Wald vor Wild“ oder gar „Wald ohne Wild“!

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