Ein offener Brief aus unseren Reihen

Liebe Angelika von Fritsch,
ich schreibe Dir diesen Brief als „offenen Brief“, also öffentlich, weil Deine Entscheidung weitere Entscheidungen zur Folge hat, und somit alle Jäger in Sachsen etwas angeht.
Ich habe mit Entsetzen gehört, dass der Jagdverband Delitzsch aus dem Landesjagdverband austreten möchte.
Mit Entsetzen, weil genau wir beide in mehreren langen Sitzungen mit Frau Leonhard, den Herren Dohrmann und Knabe sowie der Geschäftsführerin des LJVSN Frau Labitzke und dem Justitiar Herrn Stetter in der Satzungskommission des Landesjagdverbandes zusammengearbeitet haben.
Wir glaubten, die strukturellen Probleme des LJVSN erkannt zu haben, und haben in die neue, nunmehr vom Landesjägertag beschlossene Satzung einen „Landesvorstand“ als Bindeglied zwischen den Kreisjägerschaften, dem Landesjägertag und dem Präsidium eingebaut.
In diesem Landesvorstand sollte sich jede(r) Kreisvorsitzende, somit jede Kreisjägerschaft wiederfinden, und auf das „Tagesgeschäft“ des Präsidiums Einfluss nehmen können, damit dort keine basisentfernten Selbstläufer der Ausrichtung des LJVSN entstehen können. Die strategischen Ziele sollten vom Landesvorstand beeinflusst werden können, und können dies nun auch.
Denn das waren die Vorwürfe insbesondere von Dir, von Yvonne Mucke und Stefanie Petzold gegenüber dem vorangegangenen Präsidium, wodurch es zu Rücktritten und zu Streit kam.
Dies wollten wir gemeinsam mittels dieser neuen Satzung verhindern.
Und nun?
Nun gehen genau die Kritiker, für die wir gemeinsam eine Lösung geschaffen haben -ein demokratisches Instrument, den Landesvorstand- daran, ihre Kreisverbände aus dem LJVSN zu führen.
Ihr könnt natürlich sagen „die Mitglieder wollen das, die Mitglieder entscheiden das so“.
Seid ihr Vorstände eigentlich ganz sicher, dass ihr euch nicht nur hinter diesem Satz versteckt?
Wurden die Mitglieder denn wirklich informiert? Und worüber? Oder wurden hier und da ein paar Informationen gestreut, wie „man“ es in der Politik macht, um Stimmung zu schüren?
Geht es manchem nur um den Beitrag, der in den Kreisen verbleiben soll? Wenn die Kreisjägerschaften für ihre Arbeit mehr Geld benötigen, warum wird das den Mitgliedern nicht vermittelt und entsprechende Beschlüsse gefasst?
Jeder Anglerverband, jeder Sportverein hat bedeutend höhere Beiträge als der Jagdverband.
Und wir haben wesentlich mehr zu verlieren als die Angler oder die Sportler.
Aber das habt ihr alle vermutlich aus eigener Eitelkeit aus den Augen verloren …. und diese Vorwürfe mache ich genau Dir und diesen Vorsitzenden:
angefangen mit Riesa: Wir alle waren dabei, als DJV-Geschäftsführer Leppmann und DJV-Präsident Fischer den Riesaern ein Gesprächsangebot gemacht haben, um die Finanzierung und Förderung ihres Schießstandes auf die Beine zu stellen. Nur hat der Vorstand der Jägerschaft meines Wissens dort nicht angefragt.

Meißen und Döbeln: Verletzte Eitelkeiten durch den „Brief der 20 Verbände“ von Februar 2018, der die WG Conrad und Härtner zum Rücktritt getrieben hat.
Ob zu dieser Brief Recht oder Unrecht war, darüber will ich hier nicht befinden. Fakt ist dass er zum Rücktritt der WG Conrad, Härtner und Reichel führte, Fakt ist, dass er von genau denjenigen Jägerschaften mitunterzeichnet wurde, die nun einem neuen Präsidium („Wille durchgesetzt“) das Vertrauen entziehen: Delitzsch, Muldentalkreis, Rochlitzer Land. Grund: nicht erkennbar.
Aber deswegen die Kreisverbände Meißen und Döbeln aus dem Landesjagdverband zu führen, ist in meinen Augen ebenfalls nicht legitim.
Und wenn dann noch eigens angereiste Persönlichkeiten wie DJV-Präsident Hartwig Fischer vor der Tür sitzen gelassen werden, dann ist das einfach stillos und beweist die Falschheit des eigenen Handelns.

Delitzsch: Du als Vorsitzende bist zunächst in eben diesen Brief sicher involviert gewesen – davon gehe ich zumindest aus. Du hast ihn ja unterschrieben, und ich schätze Dich nicht so ein, dass Du etwas unterschreibst, was Du nicht zumindest mitgeschrieben hast.
In allen unseren Gesprächen um die neue Satzung stand der erklärte Wille im Vordergrund, gerade den kleineren Verbänden durch den Landesvorstand eine Gesprächsebene zu verschaffen, mittels derer Einfluss auf die Arbeit des Präsidiums genommen werden kann.
Du kandidiertest als Präsidentin des LJVSN – aber nur als Präsidentin.
Kann es sein, dass Du nun auch Deinen Verband aus verletzter Eitelkeit aus dem LJVSN führst?
Oder gibt es sachliche Gründe? Wurden diese den Mitgliedern in Delitzsch erklärt?
Warum wurde dann niemandem aus dem neu gewählten LJVSN-Präsidium Gelegenheit gegeben, zu strittigen Fragen Stellung zu nehmen?
Es waren definitiv Gesprächsangebote bzw. Teilnahmebereitschaft erklärt worden.

Muldental: Die Vorsitzende Yvonne Mucke fährt gerade noch als Delegierte des Landesjagdverbandes auf den Bundesjägertag; Unterbringung, Verpflegung und Reisekosten schön auf Kosten des Dachverbandes, um wenige Wochen später ihren Verband aus dem LJVSN zu führen? Yvonne Mucke hat sich selber in ein Präsidium des Landesjagdverbandes wählen lassen, um nach der Wahl als erstes zu äußern, dass sie dies „mit dem (damals) neuen Präsidenten Frank Conrad nicht wollte“. Sie ist dann (unbewertet, was die Beweggründe waren) zurückgetreten, hat mutmaßlich aktiv mit am „Brief der 20 Verbände“ gearbeitet, um noch auf den letzten Drücker am Bundesjägertag teilzunehmen, und dann mit dem eigenen KJV den Landesjagdverband verlassen zu wollen? In einer Situation, in der sich neue, engagierte Personen gefunden haben, die im Ehrenamt im Präsidium etwas bewegen wollen? Was ist das denn?

Rochlitzer Land: Hier gilt genau dasselbe: Stefanie Petzold wurde seinerzeit aufgestellt und gewählt in das Präsidium des LJVSN. Ob die zugeteilten Aufgaben erfüllt wurden, müssen die damaligen Akteure entscheiden und das muss auch Stefanie Petzold für sich entscheiden.
Den übergangsweise amtierenden Präsidenten Thomas Markert hat sie in der Interimszeit nach Conrad/Härtner/Reichels Rücktritten jedenfalls nach dessen Bekunden weitestgehend allein auf weiter Flur „hängengelassen“.
Und entzieht nun ohne erkennbaren Grund einem neuen, engagierten Präsidium aus welchen Gründen auch immer das Vertrauen, und will den eigenen Kreisverband aus dem LJVSN führen. Liegt auch hier verletzte Eitelkeit vor?
Wurde dem Präsidium Gelegenheit zur Stellungnahme in der Versammlung gegeben?

Sächsische Schweiz: Dort stellt man sich die Frage nach dem Verbleib im LJVSN ebenfalls, ist aber so integer, das Präsidium zu Stellungnahmen zu den Fragen der Mitglieder einzuladen. Die Frage wird sich in der Versammlung klären.

Liebe Angelika von Fritsch, Du bist selber in der Politik tätig. Eigentlich brauche ich es Dir nicht erläutern:
Jagdrecht ist zunächst Bundesrecht – dafür haben wir einen funktionierenden Deutschen Jagdverband DJV, der gute Lobbyarbeit in Berlin leistet, der aber Acht geben muss, dass er sich personell nicht zu sehr aufbläht.
Dann ist Jagdrecht LANDESRECHT. Und zur Gestaltung desselben in den demokratischen Prozessen-das kann mir keiner streitig machen- benötigt man einen starken Landesjagdverband. In jedem Bundesland. Und aktuell hat das Beispiel Sachsen-Anhalt gezeigt, wie wichtig ein starker Landesjagdverband ist.
Dieser benötigt die flächige Unterstützung möglichst aller Kreisverbände, um wirksam die Interessen der Jägerschaft gegenüber Politik, Verwaltung und Gesellschaft darzustellen.
Dies ist schon etliche Jahre durch den Austritt der Jägerschaft Westerzgebirge geschwächt worden. Schon dadurch war die Jägerschaft nicht zu 100% geschlossen. Darüber hinaus dazu muss man sehen, dass inzwischen nur noch die Hälfte der Jagdscheininhaber überhaupt in einer Jägerschaft organisiert sind.
Und dann kommen die verletzten Eitelkeiten von Führungsköpfen von Meißen, Döbeln, Delitzsch, Muldental und Rochlitzer Land, die schlechte Kommunikation von Riesa und die möglicherweise aus finanziellen Gründen angeschobene Debatte in der Sächsischen Schweiz und zerlegen -wenn es denn so kommt- den gesamten Landesjagdverband.
Jagdverbände sind keine Bürgerschützenvereine,
sondern Interessenvertretung!

Ihr wisst gar nicht, was ihr da tut:
Das Landtags-Wahlergebnis wird mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit dazu führen, dass die CDU mit SPD und GRÜNEN koalieren muss.
Was eine Regierungsbeteiligung der GRÜNEN bedeutet, sollte uns allen klar sein.
In Bayern fordert der grüne Frontmann die Nachtjagd auf Rot- und Rehwild. Wildbiologisch völliger Blödsinn und waldbaulich unweigerlich mit hohen Verbiss- und Schälschäden als Folge.
Jeder Anfänger weiß heute, dass zwar angepasste Wilddichten richtig und wichtig sind. Ebenso weiß aber jeder Anfänger, dass eine etwas höhere Wilddichte mit viel Ruhe weniger waldbaulichen Schaden zur Folge hat, als eine niedrigere Wilddichte mit viel Unruhe im Revier.
Hierzu zählen insbesondere Nachtjagd und winterliche Bewegungsjagden nach dem 15.Dezember, gerade in Rotwildrevieren.
Im Freistaat Sachsen wird sich zwangsläufig die Eigentums-Lobby (Heinz; von Breitenbuch u.a.) mit eben dieser unsachgemäßen und extrem schalenwildfeindlichen Haltung der Grünen paaren.

Wenn dann kein starker Landesjagdverband in Sachsen mehr vorhanden ist, dann werden wir zu Schädlingsbekämpfern degradiert!

In der absehbaren Konsequenz habe ihr ja etwas Tolles geschafft:
Es scheint, EGO IST TRUMPF, man kann sich einfach nicht mehr einordnen. Man gibt dem neu gewählten LJV-Präsidium keine Gelegenheit, sich zu eventuellen Problemen zu äußern (außer Sächs. Schweiz), man lässt den seinerzeitigen DJV-Präsidenten vor der Tür (Meißen).
All das lässt jegliches Fair-Play vermissen; der Anfang von allem ist jedermanns Anstand!

Gebt euren Mitgliedern die Chance darüber nachzudenken:
Wir haben dann keine Lobby mehr, keine Interessenvertretung in Sachsen.
Das aber ist Sinn und oberster Zweck eines Landesjagdverbandes.
Zum Thema Austritt aus dem LJV und Satzung möchte ich Dir noch ein paar Fragen stellen; diese kannst Du mir selbstverständlich ebenso offen bzw. öffentlich beantworten:

1. Wenn der JV Delitzsch aus dem LJV austreten will, muss er seine Satzung in etlichen Paragrafen ändern (z.B. 1, 2, 3 usw). Wurden diese Satzungsänderungen beschlossen?
2. Wurde die Mitgliederversammlung fristgemäß einberufen?
3. Wurde der Antrag mindestens 8 Wochen vor der Versammlung eingereicht oder durch die anwesenden Mitglieder zugelassen?
4. Bist Du nicht der Meinung, dass ALLE Mitglieder über diesen Tagesordnungspunkt sehr zeitig informiert sein sollten, und ihnen auch die Wichtigkeit einer solchen Entscheidung lange im Vorfeld transparent gemacht werden sollte?
5. Immerhin haben die „Mütter/Väter“ eurer Satzung nicht umsonst die Erfordernis einer Dreiviertelmehrheit in die Satzung eingebaut, um diese ändern zu können.
Das Verhalten gewisser Vorstände insgesamt zieht sich durch: selbst auf der HEUTIGEN Homepage der Jägerschaft Westerzgebirge wird geschrieben, diese sei Mitglied im Landesjagdverband Sachsen. Das ist sie aber seit etlichen Jahren nicht mehr.
Wieder andere Vorstände sollen gedroht haben, zurückzutreten und nicht mehr zur Verfügung zu stehen, wenn man den Beschluss zum Austritt aus dem Landesjagdverband nicht fasse. Da stellen sich natürlich einige Fragen.
Ihr alle solltet das dringend in Ordnung bringen!

Horrido und Weidmannsheil,
Carsten Geißler

Download des offenen Briefes

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