Wolfswelpe entnommen – wie weit geht Naturschutz?

Liebe Jägerinnen und Jäger,

da wird ein Wolfswelpe gefunden. Einfach so. Ohne Anhang. Was macht man dann bei Naturschutz, Aneignungsverbot und weiteren hochinteressanten juristischen Fragen. Irgendwo zwischen Jagdgesetz und Naturschutzgesetz.
Wir haben Dr. Schwartze (Ministerialdirigent / Abteilungsleiter Naturschutz) entsprechend um Antworten gebeten und diese auch bekommen.
Herr Dankert  hat geantwortet und wir sagen ganz einfach: Danke!

Mit freundlichen Grüßen

Thomas  M a r k e r t
Vizepräsident LJV SN

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Schreiben vom 29.09.2019 an Herrn Dr. Schwarze vom SÄCHSISCHES STAATSMINISTERIUM FÜR UMWELT UND LANDWIRTSCHAFT

Sehr geehrter Herr Dr. Schwarze,

in erster Instanz möchte ich mich für Ihren Rückruf und das konstruktive Gespräch in der vergangenen Woche bedanken.
Mein, besser unser Anliegen, habe ich ja bereits umrissen. Wir haben in der Geschäftstelle des LJV SN mehrere Anfragen zum Fund des Wolfwelpens in der Kamenzer Ecke erhalten. Diese Anfragen resultieren zu Recht auf Grund mangelhafter sachlicher Berichterstattung der Presse (einschließlich fragwürdiger Fotos). Einen einzelnen Wolfswelpen so einfach mal zu finden ist ansich schon mehr als selten. Hier stellt sich die Frage nach Fundort / Fundsituation, und wer hat gefunden und wen informiert ?
Sicher liegt nach der Aneignung (Aneignungsverbot ?) auch eine Untersuchung hinsichtlich der genetischen Zuordnung auf Art und History vor. Zwischenzeitlich ist das Tier ja in ein anderes Bundesland verbracht worden. In eine Auffangstation ?
Ich gehe davon aus das es unproblematisch sein wird den Vorgang chronologisch, und dabei auch juristisch, nachvollziehbar darzustellen.
Wir beabsichtigen Ihre Anwort auf Grund des allgemeinen Interesses auf der Homepage zu veröffentlichen.
Abschließend gestatten Sie mir noch eine sehr persönliche Frage. Im Jägermagazin (Zeitschrift Jäger) 12/2014  wird Herr Eckhard Wiesenthal zu dem Wolfshaltungen in den Mitgliedsparksdes DWV befragt. Er gibt an, dass in 35 Wolfshaltungen etwa 240 Wölfe gehalten werden. Weiterhin: in den Mitgliedsparks des Verbandes Deutscher Zoodirektoren 17 und in denen der Deutschen Tierparkgesellschaft neun Haltungen. In nicht organisierten Parks (300 – 400 Institutionen) ist mit einer hohen Dunkelziffer zu rechnen.
Zitat Ende.
Gibt es für Sachsen dazu verläßliche Zahlen ?

Thomas  M a r k e r t
Dipl.Ing-.(FH),Fa.-Ing.
VIzepräsident LJV SN
Wildtierbeauftragter

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Antwort aus dem SÄCHSISCHEN STAATSMINISTERIUM FÜR UMWELT UND LANDWIRTSCHAFT

Sehr geehrter Herr Markert,

im Auftrag von Herrn Dr. Schwarze, der sich bei Ihnen ebenfalls für das konstruktive Gespräch bedankt, möchte ich auf Ihre Fragen antworten. Natürlich können wir Ihnen die gewünschten Informationen rund um den bei Burkau aufgefundenen Wolfswelpen geben. Die Pressemitteilungen des LfULG dazu wurden von den meisten Sächsischen Printmedien, wenn sie das Thema aufgegriffen haben, sachlich richtig wiedergegeben.
Am Pfingstmontag (10.06.2019) ging kurz nach 17.00 Uhr bei der Fachstelle Wolf des LfULG die Meldung zum Fund eines kleinen Wolfswelpen in einem Waldgebiet bei Burkau ein. Nachdem der Welpe von Waldbesuchern gegen 15 Uhr winselnd im Wald in der Nähe eines Waldweges angetroffen wurde, folgte er den Waldbesuchern und ließ sich über Stunden nicht davon abhalten, in der Nähe der Menschen zu bleiben. Aus Sorge um den Welpen informierten die Waldbesucher eine Tierhilfeeinrichtung, die ihrerseits den Förster und jagdlichen Betreuer des Eigenjagdbezirkes, in dem der Welpe gefunden wurde, informierte, der dann einen Vertreter des Jagdausübungsberechtigten zum Fundort schickte. Dieser bestätigte vor Ort, dass es sich um einen Wolfswelpen handeln würde. Nach Aussage der Finder kamen zwischenzeitlich andere Erholungssuchende vorbei, die sich regelrecht „auf den Welpen stürzten“ und diesen fotografierten und filmten, so dass Videos und Fotos des Welpen schnell in den sozialen Netzwerken zu finden waren (siehe unten).
Gegen 17 Uhr informierten die Finder im Beisein des Vertreters des Jagdausübungsberechtigten die Fachstelle Wolf beim LfULG über den Vorgang. Ein Beauftragter des LfULG fuhr vor Ort, wo der Welpe, dessen Alter auf 3 bis 4 Wochen geschätzt wurde und seine Finder noch anzutreffen waren. Um die Situation zu beenden und abzuklären, ob das Tier eventuell krank sei, wurde es vorübergehend durch den Beauftragten des LfULG in einen sächsischen Zoo verbracht, der für das sächsische Wolfsmanagement vereinbarungsgemäß eine kurzzeitige Quarantäne von Wölfen – ohne mehr als den Umständen nach nötige menschliche Kontakte zu dem Tier zu haben – gewährleistet, bis das jeweilige Tier untersucht und über das weitere Vorgehen entschieden ist.
Vom Welpen wurden Genetikproben genommen und diese am nächsten Morgen per Express an das Senckenberg Institut für Naturschutzgenetik Gelnhausen geschickt. Mit dem Direktor des Zoos wurde vereinbart, dass das Tier am nächsten Tag veterinärmedizinisch untersucht wird.
Die Untersuchung am nächsten Tag ergab, dass sich der Welpe in einem schlechten Ernährungszustand befand und dass seine Sehkraft eingeschränkt war.
Die Fachstelle Wolf des LfULG und ihre Beauftragten nahmen Kontakt mit dem Landratsamt und dem forstlichen und jagdlichen Betreuer des Eigenjagdgebietes auf, da der Welpe wenn möglich wieder in die freie Natur zurückgesetzt werden sollte.
Im Gebiet des Fundortes wurde in Vorbereitung einer möglichen Rücksetzung ab dem 11.06. durch Beauftragte des LfULG mehrere intensive Geländebegehungen durchgeführt, um Anhaltspunkte über den möglichen Aufenthaltsbereich der Elterntiere beziehungsweise des Rendezvous-Platzes zu gewinnen, um ein gezieltes Zurücksetzen des Welpen in die freie Natur zu gewährleisten. In der Umgebung des Fundortes und im weiteren Umkreis wurden dazu auch Wildkameras angebracht. Trotz intensiver Suche gelang es in dieser Zeit nicht, weitere Welpen zu bestätigen bzw. den konkreten Rückzugsraum des Rudels in dem Gebiet räumlich ausreichend einzugrenzen. Die genetischen Untersuchungen ergaben, dass die Elterntiere bekannt waren. Die Fähe ist die Wölfin, die im Vorjahr ihre Welpen im Gebiet Hohwald/Massenei aufgezogen hatte, der Rüde wurde im Vorjahr genetisch im Bereich Stolpen/ Hohnstein erfasst.
Der Welpe hat sich im Zoo in den Folgetagen im Ernährungszustand deutlich stabilisiert, war aber nach wie vor nicht in der Lage, sich auf Grund seines Alters in der Natur selbständig ohne die Elterntiere zu ernähren. Die Sehkraft hatte sich allerdings wieder verbessert.
Über einen Zeitraum von 3 Wochen konnten keinerlei Hinweise auf die Geschwister des Wolfswelpen gefunden werden. Anhand der auf den Exkursionen gefundenen Wolfshinweise und der Fotos der Wildkameras – von denen die Hälfte innerhalb von einer Woche entwendet wurden – konnte der Rendezvous-Platz des Rudels, nicht eingegrenzt werden. Es konnte lediglich ausgeschlossen werden, dass sich dieser in dem Bereich befand, in dem der Welpe gefunden worden war. Ein Zurücksetzen in die freie Natur war somit nicht möglich. Eine weitere Haltung fast ohne soziale Kontakte war dem Tier nicht zuzumuten.
Die Anlage zur Unterbringung in dem sächsischen Zoo  ist nicht von den Besuchern einzusehen, eine öffentliche Zurschaustellung erfolgte also nicht. Die Räumlichkeiten bestehen ausschließlich aus einem Innengehege, das nicht zu groß ist, um einem verletzten Wolf ohne zu große Gewöhnung an den Menschen die Genesung zu ermöglichen. Für eine Dauerunterbringung ist es nicht geeignet.
Wölfe werden in diesem sächsischen Zoo im eigentlichen, der Öffentlichkeit zugänglichen Teil des Zoos nicht gehalten. Ein Anschluss an ein Rudel in diesem Zoo wäre somit ausgeschlossen. Eine dauerhafte Unterbringung in diesem Zoo  ist aus den genannten Gründen nicht möglich, da eine artgerechte Haltung nicht gegeben wäre. Das Tier wurde von diesem sächsischen Zoo zur weiteren artgerechten Haltung in einen anderen deutschen Zoo mit entsprechenden Haltungsbedingungen verbracht.

In Sachsen und bundesweit werden behördlicherseits keine Unterschiede gemacht, ob ein Zoo in einer Organisation/Gesellschaft oder ähnlichem organisiert ist. Es werden im gesamten Bundesgebiet grundsätzlich alle Zoos gem. § 42 BNatSchG erfasst. Es besteht für diese Einrichtungen eine Meldepflicht für die gehaltenen Tierarten. Dasselbe gilt für Tiergehege gem. § 43 BNatschG.
Aktuell werden in Sachsen 9 Wölfe in Zoos gehalten.

Mit freundlichen Grüßen
Bernd Dankert

Referent
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SÄCHSISCHES STAATSMINISTERIUM FÜR UMWELT UND LANDWIRTSCHAFT
SAXON STATE MINISTRY OF THE ENVIRONMENT AND AGRICULTURE
Referat 56 | Schutzgebiete, Biotop- und Artenschutz | Conservation Areas, Protection of Biotopes and Species
Archivstraße 1 | 01097 Dresden | Postfach 10 05 10,  01076 Dresden
Tel.: +49 351 564-25601 | Fax: +49 351 564-25630 
Bernd.Dankert@smul.sachsen.de | www.smul.sachsen.de

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Hinweis der Redaktion:

Der o.g. Wortlaut wurde vom SMUL zur Veröffentlichung auf der Webseite des Landesjagdverbandes Sachsen e. V.  freigegeben.

Überschrift des Artikels entspringt der Redation.

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