Sachstandsbericht über die Populationsdichte der Hochwildarten

Naundorf, den 23. Mai 2019

Sachstand zur Populationsdichte und dem Umgang der Jagdausübungsberechtigten mit den Hochwildarten Rot- und Damwild im und um den Tharandter Wald als Einstandsgebiet

Der Tharandter Wald und die umliegenden Reviere waren seit Jahrhunderten bis in die 1990er Jahre als arten,- und wildreich bekannt und geschätzt. Die Hauptwildart Rotwild bildete eine weitestgehend eigenständige Population. Neben dieser Wildart wurde hauptsächlich Schwarzwild, Muffelwild (seit ca.1995 ausgeschossen) und Rehwild bewirtschaftet. Damwild spielte eine untergeordnete Rolle.

Vorkommen:

 Rotwild hat sich in den vergangenen Jahrzehnten aus den nachfolgend aufgeführten Gründen aus dem gesamten Einstandsgebiet auf „Restflächen“ zurückgezogen. Wenn es überhaupt noch nachzuweisen ist, dann nur im südwestlichen Gebiet des Tharandter Waldes in den Revieren Naundorf, Hetzdorf und Grillenburg sowie in den GJB Colmnitz bis Niederschöna.

Bei einer Zusammenkunft mit den damaligen Forstamtsleiter Herrn Gläser im Jahr 2008 wurde folgendes gemeinsam vereinbart und festgelegt:

  • Es ist zurzeit von einen Frühjahresbestand von 40 Stück auszugehen.
  • Diese Zahl wird unter Berücksichtigung der auch mittelfristig zu schützenden Laubholzkulturen als temporär gerechtfertigter Zielbestand angesehen.

Anlässlich einer gemeinsam aufwendig durchgeführten Rotwildzählung im Frühjahr 2012 bei Neuschnee konnten lediglich noch 18 Stück Rotwild im und um den Tharandter Wald (reine Waldfläche ca. 5.500 ha) bestätigt werden. Seit dieser Zeit bis zum heutigen Tag erfolgen lediglich Schätzungen des Bestandes.
Damwild kommt mit einem durchschnittlichen Frühjahresbestand von 20-25 Stück hauptsächlich am süd- und südöstlichen Rand des Tharandter Waldes im Raum Dorfhain, Klingenberg und im Tharandter Wald bis zur Bahnstrecke Dresden – Freiberg vor.

Rotwild

Eine wesentliche Ursache  des Bestandsrückganges auf  ca. 15 % der noch 1990 vorhandenen Frühjahrespopulation von ca. 80 -100 Stück auf derzeit Frühjahresbestand von geschätzten 10 -15 Stück ist auf die rigorose Bejagung besonders durch den Staatsbetrieb Sachsenforst auf der Grundlage des seit 2010 geltenden Sächsischen Jagdgesetzes im Tharandter Wald, aber auch auf den Wanderrouten vom und zum Osterzgebirge festzustellen. Altersklasse und Geschlechterverhältnis spielen dabei keine Rolle! Die Erhöhung der Anzahl und die damit einhergehende Verkleinerung der Pirschbezirke einerseits und die Durchführung von Gesellschaftsjagden mit einer hohen Anzahl Schützen bis Ende Januar hinein führt zu Verhaltensänderungen und provoziert zusätzliche Verbiss- und Schälschäden. Bestätigte Schälschäden, welche über Jahre unter 1 % im Haupteinstandsgebiet betragen, sind Beweis für eine zahlenmäßig geringe Population, da zusätzliche Fütterungen durch evtl. Ausrufen einer Notzeit im Tharandter Wald in den letzten 9 Jahren unterblieben. Aufgetretene Verbiss-Schäden werden prinzipiell allen Schalenwildarten angelastet, wobei Rotwild als Verursacher äußerst selten, wissenschaftlich erwiesen, in Frage kommt.
Allein das Vorhandensein von Verbiss-Schäden wird als Grundlage herangezogen, um Abschusspläne beim Rotwild realitätsfremd zu erstellen.
Daneben spielt der besonders in den letzten 3 Jahrzehnten unverhältnismäßig hohe Anstieg des touristischen Freizeitdruckes zu allen Jahreszeiten bis in die Nachtstunden hinein eine nicht unwesentliche Rolle, die Lebensraumsituation weiter negativ zu beeinflussen.
Rotwild wird immer mehr zum Nachtwild verdammt. Eine eigenständige, sich selbst tragende und regenerierende Rotwildpopulation ist zunehmend nicht mehr vorhanden!
Der Rotwildbestand im Tharandter Wald wird von Herrn Dr. Irrgang und Herrn Gläser nicht als weitestgehend selbständige regionale Population angesehen, sondern seit neuester selbst getroffener Auslegung der osterzgebirgischen Population zugeordnet (Ergebnis einer Beratung Hegegemeinschaft und SBS vom 27.07.2017), um bei Abschussfreigaben weder auf Altersklassen noch stimmigen Geschlechterverhältnis Rücksicht nehmen zu müssen.

Zum Beispiel wurde im vergangenen JJ 2018/ 2019 in der Verwaltungsjagd 4 Stück Rotwild erlegt, davon 2 Alttiere, 1 Schmaltier und 1 Hirschkalb. Insbesondere der Eingriff beim weiblichen Rotwild, und dies seit Jahren, bestätigt das Ziel, Rotwild lediglich als Migrationswild (Wechselwild) im Tharandter Wald gezwungenermaßen zu dulden!

Die im Jahre 2008 mit der Hegegemeinschaft getroffene Festlegung (welche von einen Frühjahresbestand von 40 Stück Rotwild ausgeht) wir somit seit fast 10 Jahren ständig bewusst missachtet und ignoriert.

Diese Vorgehensweise und Aussage widersprechen deutlich der von der Geschäftsleitung des SBS, Herrn Grunwald, im Schreiben vom 20.09.2016 getroffenen Festlegung, dass der

Tharandter Wald als Gebiet mit Rotwildvorkommen zu erhalten ist.

Damwild

 Das räumliche Ausdehnung hat sich über die Jahrzehnte nicht wesentlich verändert. Die Anzahl des Vorkommens unterlag und unterliegt aber deutlichen Schwankungen. Das Wild orientiert sich örtlich an dem Damwildgatter Klingenberg. Besonders während der Brunftzeit ist dies erkennbar.
Hauptsächlich durch Sturmschäden und der damit verbundenen Beschädigung der Einzäunung kam es zum Ausbruch von bis zu max. 20 Stück (2015) aus dem Gatter.
Diesen Ausbruch als Begründung veranlasste den Staatsbetrieb Sachsenforst für 2016 den Abschussplan von 9 auf 60 Stück zu erhöhen! Nach Einspruch durch die HG wurden 30 Stück genehmigt.
Bei den Antragsformulierungen wird dabei, bis heute, von Gatterwild gesprochen.
Da während der Jagdzeiten die geplanten Strecken nicht erreicht wurden, beantragte der SBS für 2018 die Genehmigung der Jagd während der Schonzeit mit dieser mehr als fragwürdigen Begründung:

Während der Jagdzeit hat der SBS keinen Zugriff (polizeiliches Vokabular) auf das Wild, weil es sich dann hauptsächlich im Feldrevier aufhält!
Eine angestrebte Zusammenarbeit bei der Wildbewirtschaftung, alters- und geschlechter- konform, wurde abgelehnt (s.o. Besprechung vom 27.07.2017). SBS duldet nach eigener Aussage kein Damwild im Revier Tharandter Wald als dritte Hochwildart!

Fazit:

 Auch im und um den Tharandter Wald ist der Minimierungs- bzw. Auslöschungsversuch des Rot- und Damwildes in vollem Gange.
Niemand ist berechtigt, Wildbestände lokal auszulöschen (GG Art. 20 a, BuJGes). Nicht nur Revierinhaber/innen sind zur Hege verpflichtet, sondern auch die Grundstückseigentümer aufgrund der Sozialpflichtigkeit ihres Eigentums!

Das hat auch für den SBS zu gelten!

Mit freundlichen Grüßen und Weidmannsheil

Peter Hermsdorf
Vorsitzender der HG Tharandter Wald

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