Rotwildstrecke in Sachsen – EINSPRUCH!

Einspruch!

Die Rotwildstrecke in Sachsen sank gemäß der zuletzt veröffentlichten Statistik zum Jagdjahr 2017/2018 in Sachsen von 4.251 auf 3.771 Stück. Nur bei Sachsenforst wird der Abschußplan exakt eingehalten und sogar noch der beantragte Nachschlag im Forstbezirk Neudorf auf den Punkt hin erfüllt.

Wenn es offensichtlich überall weniger Rotwild zu jagen gibt erstaunt es schon, wie Sachsenforst seine Vorgaben erfüllt. Wenn nicht genug fällt, muss eben intensiver gejagt, die Zahl der Jäger auf den Drückjagden erhöht und der Hundeeinsatz „optimiert“ werden…

Bei „selbsterfüllenden Prophezeiungen“ ist es letztendlich alles eine Frage des Aufwands, den man betreibt. Nicht umsonst haben die Forstbezirksleiter verbindliche Zielvereinbarungen mit ihrem Dienstherrn Sachsenforst unterschrieben.

Natürlich lässt sich der Wahnsinn weiter steigern! Sachsenforst hat für die nächsten drei Jagdjahre, vorsorglich, weitere Abschussplan-Steigerungen bei der Oberen Forst- und Jagdbehörde beantragt. Deutlich wird dies z. B. in den Forstbezirken Adorf, Eibenstock, Marienberg und Neudorf. Vermutlich entstehen die Pläne am grünen Tisch in Graupa. Ich bin mir nicht sicher, ob die Meinungen und Erfahrungen der eigenen Fachleute vor Ort, eine Rolle spielen.

Da die Obere Forst- und Jagdbehörde Bestandteil des Sachsenforstes ist, kann sich die Jägerschaft nur wünschen, dass mit der notwendigen Unabhängigkeit, Vernunft, Sachkunde auf Basis eigener Erkenntnisse oder der Wissenschaft, geprüft und entschieden wird. Es bleibt nur zu hoffen, dass nicht die Formulierung „Wessen Brot ich ess, dessen Lied ich sing!“ Raum in der Entscheidung gewinnt. Schließlich sieht die gegenwärtige Praxis so aus, dass man sich selbst Ziele stellt, sich diese selbst genehmigt und dann mit allen Mitteln – erfüllt.

Wie uns allen vom Landesjägertag bekannt ist, hat Herr Minister Schmidt sowohl unserem Präsidenten, Herrn Seyring, als auch dem Präsidenten des DJV, Herrn Fischer, zugesagt, dass künftig bei Sachsenforst keine Lappjagden mehr durchgeführt werden und dass die neu zu beantragenden Abschusspläne der Forstbezirke nicht höher wie die in der letzten Planperiode ausfallen sollen. Dies ist in den vorliegenden Unterlagen nicht erkennbar. Herr Minister, wir nehmen Sie beim Wort und verlassen uns auf Ihre Zusagen. Hieran werden wir Jäger Sie und Ihre Partei messen!

Über den tatsächlichen Bestand des Rotwilds gibt es keine gesicherten Zahlen. Vielmehr verwendet der Sachsenforst zur Begründung seiner Abschussplanung ungeeignete Rechenmodelle, deren Anwendung von namenhaften Wissenschaftlern schlicht abgelehnt wird. Zählungen oder qualifizierte Schätzungen zum Rotwildbestand liegen als Basis für eine Abschussplanung nicht vor. Wohl aber eine Studie von Herrn Prof. Herzog, die eindeutig zu dem Schluss kommt, dass es nicht zu viel Rotwild (und anderes wiederkäuendes Wild) gibt, sondern, dass das Wild einfach nur falsch bejagt wird, was die Hauptursache für die auftretenden Wildschäden ist.

Aber wie in einem Kinderbuch von Astrid Lindgren geschrieben und auch von der EX- SPD- Parteichefin verwendet, gilt der Spruch: „Ich mach mir meine Welt wie sie mir gefällt!

Alle sprechen derzeit von Verlusten der Artenvielfalt und der notwendigen Nachhaltigkeit. Das Rotwild ist das größte verbliebene Wild in unseren heimischen Wäldern. Mit unserer Kulturlandschaft haben wir seine Lebensräume und Wanderungsbewegungen massiv beschnitten. Wir dürfen es jetzt nicht auch noch soweit reduzieren, dass der genetische Austausch zwischen Populationen nicht mehr gegeben ist und die Wildart infolge rigoroser Ausdünnung nicht mehr artgerecht sozial interagieren kann.
Nach aktuellen wissenschaftlichen Untersuchungen ist dies spätestens bei einer Wilddichte von unter 2 Stück je 100 ha der Fall. Die genetische Degeneration ist bereits für das Rotwild im Tharandter Wald zweifelsfrei belegt, ohne, dass hieraus Konsequenzen gezogen werden

Ein klares NEIN von meiner Seite für die Diskussion „Wald vor Wild“! Für uns alle muss es auch in der Zukunft heißen: „Wald mit Wild“, dies kann nur das gesellschaftspolitische und nachhaltige Ziel sein.
Diese Erkenntnis setzt sich in letzter Zeit bei immer mehr Naturschützern durch. Wir Jäger sind auch Naturschützer, also lasst uns für unser Wild kämpfen. Sorgt mit dafür, dass die Jagd nicht zur Schädlingsbekämpfung an Wildsau, Reh, Hirsch und dem eingewanderten Raubwild verkommt. Setzt Euch ein, nicht nur für das Rotwild, sondern auch für unser Reh- und Niederwild!

Der sicherlich notwendige Waldumbau muss dies berücksichtigen und eine vernünftige Verwendung von Landesmitteln sicherstellen. Einseitigen ideologischen Ansätzen muss dringend Einhalt geboten werden!

Wir Jäger müssen uns positionieren, um unsere Interessen wahrzunehmen. Daher fordere ich alle Jäger in Sachsen, egal, ob im Verband organisiert oder freie Jäger, auf, unsere Interessen zu vertreten:
Erzeugt Öffentlichkeit!
Schreibt Leserbriefe!
Sprecht oder schreibt Eure Politiker an!
Notfalls müssen wir auch einmal als Jäger vor dem Landtag demonstrativ Flagge zeigen!

Macht Euch stark für Natur, Wild und Jagd!

Weidmannsheil und ein Horrido
Wilhelm Bernstein

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