Bericht unserer Delegierten zum Bundesjägertag 2019

Bundesjägertag 2019

Insgesamt 400 Delegierte aus allen 15 Mitgliedsverbänden des DJV kamen am 6. und 7. Juni zum Bundesjägertag 2019 in Berlin zusammen. Der sächsische Landesverband wurde vertreten durch Karl-Heinz Böhme (JV Sächsische Schweiz), Dr. Gert Dittrich (KJV Chemnitz), Hans-Dietmar Dohrmann (JV Niederschlesische Oberlausitz), Yvonne Mucke (KJV Muldentalkreis) und Olaf Heyder (KJV Bautzen).

Waidgerechtigkeit 2.0

Der diesjährige Bundesjägertag stand unter dem Motto „Waidgerechtigkeit 2.0“, was ganz bewußt Assoziationen zu Internet und sozialen Medien wecken soll, wo es üblich geworden ist, die Dinge mit einer Versionsnummer zu versehen. Die Verwendung moderner Technik macht auch vor dem Waidmann nicht halt. Ganz besonders sind es aber die sozialen Medien (Facebook, Instagramm, YouTube und Co.), die den jagdlichen Alltag einfangen und mit der ihnen eigentümlichen Dynamik das Bild von der Jagd in der Gesellschaft zeichnen; zum Guten wie zum Schlechten. Aus diesem Grund liegt „neben der politischen Interessenvertretung der Jäger ein Schwerpunkt auf professioneller Öffentlichkeitsarbeit bei der Arbeit des DJV“, so Präsident Hartwig Fischer in seinem Rechenschaftsbericht über das Jagdjahr 2018/19i. Dass dies nicht leere Worte waren, konnte man auch dem Programm des Bundesjägertages entnehmen. Es begann am Donnerstag mit der Verleihung des DJV-Journalistenpreis „Wildtier und Umwelt“. Verliehen wurde der Preis in vier Kategorien für herausragende journalistische Arbeiten aus den Bereichen Natur, Wild und Umwelt. Frau Alice Agneskirchner, die Regisseurin des Films „Auf der Jagd – Wem gehört die Jagd“ aus dem Jahre 2018, führte als Laudatorin durch die Veranstaltung. So wurde Konstanze Fassbinder geehrt in der Kategorie „Print“ für ihre Reportage „Was ist los, Spatz’l?“ im Süddeutsche-Zeitung-Magazin, welches die Lebensbedingungen des Haussperling in der Münchner Altstadt in den Blick nimmt. Den Preis für einen außergewöhnlichen Hörfunkbeitrag erhielt Marko Pauli für den Beitrag „Die Wildkatze – Rückkehr der Unzähmbaren“ im Bayrischen Rundfunk. Der Preis in der Kategorie „Fernsehen“ ging an Christine Seidemann für die NDR Reportage „Wildschweine außer Kontrolle“, und David Seitz erhielt den Preis in der Kategorie „Online“; er hatte ein YouTube-Videoii produziert, welches die Philosophie vom bewußten und nachhaltigen Fleischkonsum eines Jägers dokumentiert, der früher Vegetarier war. Neben Journalisten zeichnete der Deutsche Jagdverband auch innovative Projekte von Jägerschaften aus ganz Deutschland mit dem Sonderpreis Kommunikation aus. Es wurden sechs Sonderpreise vergeben. Allen gewürdigten Projekten war ein Aspekt besonders gelungener Kommunikation vor allem mit der nichtjagenden Bevölkerung eigen. Zum Beispiel das Projekt der Kreisjägerschaft Paderborn, welche maßgeblich den Bau eines begehbaren Fernrohr aus Holz mit einer Dauerausstellung zu Wild, Jagd und Natur auf der Landesgartenschau in Bad Lippspringe unterstützt hat. Diese Ausstellung erlebte allein in 2017 mehr als 1.300 Führungen.

Delegiertenversammlung und Präsidiumswahl

Die eigentliche Delegiertenversammlung fand am Freitag statt und begann pünktlich 8.30 Uhr. Die Tagesordnung gliederte sich im wesentlichen in

  • Entgegennahme der Jahresberichte

  • DJV-Jahresabschluss 2018

  • DJV-Haushaltsplan 2020

  • und Neuwahlen des Präsidenten, der Vizepräsidenten und des Schatzmeisters.

Hervorstechend war die Atmosphäre der Delegiertenversammlung. Sie war getragen von einer spürbaren Harmonie und einem Zusammenhörigkeitsgefühl der Anwesenden. Die delegierten Jäger aus ganz Deutschland waren sich einig über die Notwendigkeit eines meinungsstarken und von der politischen und der Natur verbundenen Öffentlichkeit wahr- und ernstgenommenen Dachverbandes. Dass der DJV in guter Verfassung ist, machte einerseits die professionelle Organisation des Bundesjägertages deutlich als auch die in den Verbandsberichten vorgetragenen Aktionen und deren Ergebnisse. Folgenden Projekte sollen beispielhaft hier genannt werden:

  • Artenschutz als Ziel der Agrarpolitik. Im April 2018 hat der DJV zusammen mit DFO (Deutscher Falkenorden) und dem LJV Rheinland-Pfalz ein gemeinsames Positionspapieriii anlässlich des Niederwildsymposiums in Mainz veröffentlicht, in dem eine Neuausrichtung der Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP) der EU gefordert wird, welche derzeit für die kommende Förderperiode (2012 – 2017) verhandelt wird. Kern der Forderungen ist, dass Artenvielfalt künftig als landwirtschaftliches Produktionsziel festgeschrieben wird und dass das Produktionsziel Biodiversität sich für den Landwirt lohnen muss.

  • Pelz aus heimischer Jagd. Gegründet als als eine Betreibergesellschaft des DJV und des LJV Baden-Württenberg im Jahr 2016 betreibt die Fellwechsel GmbHiv seit 2018 eine Abbalgstation in Rastatt in Baden-Württenberg und hat mit Hilfe zahlreicher Jägerschaften ein System mit mehr als 700 Sammelstellen in ganz Deutschland für die Zulieferung mit Tierkörpern aufgebaut. Es wird erwartet, dass das Unternehmen Ende 2019 der größte Inlandslieferant von Bälgen aus heimischer Jagd sein wird.

  • Naturschutz mit dem Smartphone. Der DJV hat das internetbasierte Projekt Tierfund-Katasterv entwickelt. Mit Hilfe einer kostenlosen App für Android und iOS kann jeder Naturschützer schnell von unterwegs Tierfunde melden, die in einer zentralen Datenbank gesammelt werden. Laut DJV-Statistik gab es allein vom 1. April 2017 bis 31. März 2018 mehr als 233.000 Wildunfälle mit Schalenwild. Ein profundes Wissen über Ort und Häufigkeit von Wildunfällen hilft bei Verkehrsplanungen. Ebenso unterstützt eine flächendeckende Datenerfassung das frühzeitige Erkennen von Wildtierseuchen oder lässt Rückschlüsse auf das Siedlungsgebiet von seltenen Arten zu.

  • Wildtiermanagement Wolf. Das Aktionsbündnis Forum Natur (AFN), dessen Mitglied der DJV ist, hat im Januar 2019 ein Konzept für ein praxisorientiertes und länderübergreifendes Wolfsmanagementvi vorgelegt. Ein 39-seitige Broschüre (A4) legt umfassend alle Aspekte der Wiederbesiedlung Deutschlands durch den Wolf und die damit verbunden Auswirkungen auf die heimische Kulturlandschaft dar. Insbesondere die daraus entstandenen und sich verstärkenden Probleme werden deutlich aufgezeigt, wenn nicht schnellstmöglich vom Gesetzgeber darauf reagiert wird. Das Konzept stellt einen Handlungsvorschlag für ein praxisorientiertes Wolfsmanagement in der Kulturlandschaft Deutschland dar und sollte von jedem Jäger studiert werden. Dafür wurde die Webseite www.wolfbleibtwolf.de eingerichtet, von der der Aktionsplan auch heruntergeladen werden kann.

  • Management invasiver gebietsfremder Arten. Anlässlich der Agrarministerkonferenz (AMK) in Bad Sassendorf hat der DJV ein 5-Punkte-Papiervii zum Umgang mit invasiven gebietsfremden Arten (IGA) verabschiedet, dessen zentrale Forderung ist, dass Jäger die ersten Ansprechpartner sein müssen, wenn es um die Eindämmung von Waschbär, Marderhund und Co. geht. Eine intensive Bejagung mit Waffe und Falle hilft, Populationen weitverbreiteter etablierter Arten (z.B. Waschbär) im Sinne der EU-Verordnung Nr. 1143/2014 einzudämmen und eine weitere Verbreitung bisher noch lokal etablierter IGA (z.B. Nutria) zu unterbinden.

  • Klarheit beim Verpackungsgesetz. Ein vom DJV in Auftrag gegebenes Gutachten bestätigt, dass vom neuen Verpackungsgesetz nur Jäger betroffen sind, die gewerbsmäßig mit Wildbret handelnviii.

Die Bundesministerin für Ernährung und Landwirtschaft, Julia Klöckner (CDU), richtete ein Grußwort an die Delegiertenversammlung und betonte dabei die gute Zusammenarbeit zwischen ihrem Ministerium und dem Deutschen Jagdverband, was sich u.a. darin zeigt, dass sie über den WhatsApp-Verteiler von Hartwig Fischer (Präsident DJV) häufig schon die Positionen des DJV zu bestimmten Themen kennt, bevor ihr der Pressespiegel ihres Hauses vorgelegt wird. Ihr Credo sei „Schützen durch Nutzen“, dem wir Jäger nur zustimmen können.

In diesem Jahr wurden auch der Präsident, die Vizepräsidenten und der Schatzmeister für die nächste vierjährige Amtszeit gewählt. Hartwig Fischer, der amtierende Präsident, stellte sich aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr zur Wahl für eine weitere Amtszeit. So dankte ihm die Versammlung sehr bewegt mit langem stehenden Beifall für seine geleistete Arbeit. Er hatte das Amt seit 2011 inne. Als sein Nachfolger wurde der bisherige Vizepräsident und gleichzeitige Präsident des LJV Mecklenburg-Vorpommern mit 100% aller Stimmen gewählt. Mit ihm wurden als Vizepräsidenten gewählt Helmut Dammann-Tamke (LJV Niedersachsen), Wolfgang Heins (LJV Schleswig-Holstein), Ralph Müller-Schallenberg (LJV NRW) sowie Dr. Dirk Wellershoff (LJV Brandenburg). Als Schatzmeister wurde Kurt-Alexander Michael (LJV Rheinland-Pfalz) wieder gewählt.

David und Goliath

Zum Schluss noch ein Wort zu den Finanzen. Auf der Delegiertenversammlung wurde auch der Geschäftsbericht für 2018 entgegengenommen. Der Etat betrug ca. 2,98 Millionen Euro, und der Geschäftsstelle des DJV stehen z.Z. 18 Mitarbeiter zur Verfügung. Im Vergleich dazu betrug der Etat des NABU in 2017 ca. 44,5 Millionen Euro und 213 hauptamtliche Mitarbeiter arbeiteten für NABU in 2017ix. Dieser kurze Vergleich zeigt, wie wenig finanzielle Mittel dem DJV im Vergleich zu anderen Naturschutzverbänden zur Verfügung stehen. Selbst der Etat von PETA war im Jahr 2018 ungefähr 2,6 mal größer (ca. 7,88 Millionen Eurox) als der des DJV. Das zeigt, wie enorm wichtig die Mitgliedsschaft jedes Jägers im Verband ist, denn durch seinen Mitgliedsbeitrag stärkt er seine ureigene Interessenvertretung.

Bundesjägertag 2020

Der nächste Bundesjägertag findet am 18. und 19. Juni 2020 in Bonn statt. Der LJV Nordrhein-Westfalen wird der Gastgeber sein.

Olaf Heyder, 23.06.2019

i   Verbandsberichte des DJV (https://www.jagdverband.de/content/verbandsberichte)

ii   „Wild kommt immer plötzlich“ – ein Film von David Seitz und David Knüdeler. (https://schlaraffenwelt.de/wild-kommt-immer-ploetzlich/)

iii   Positionspapier zur Zukunft für die Artenvielfalt auf dem Acker (https://www.jagdverband.de/content/artenschutz-als-ziel-der-agrarpolitik)

iv   Fellwechsel GmbH (https://fellwechsel.org/)

v   Tierfund-Kataster (https://www.tierfund-kataster.de/)

vi   Wildtiermanagement Wolf (https://www.wolfbleibtwolf.de/)

vii   5-Punkte-Papier zum Management IGA (https://www.jagdverband.de/content/djv-position-zum-management-invasiver-gebietsfremder-arten)

viii   Frage-und-Antwort-Papier zum Verpackungsgesetz (https://www.jagdverband.de/content/frage-und-antwort-papier-zum-neuen-verpackungsgesetz)

ix   NABU Jahresbericht 2017 (https://www.nabu.de/imperia/md/content/nabude/nabu/180731-nabu-jahresbericht-2017.pdf)

x   PETA Jahresbericht 2018 (https://www.peta.de/mediadb/PETA-Jahresbericht-2018.pdf)

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