Interessengemeinschaft Sichere Weidewirtschaft vs. neue sächsische Wolfsverordnung

Peter Brandt,  IG Sichere Weidewirtschaft
Meine Damen und Herren, liebe Freunde,
Sachsen hat sich am 16. 4. 2019 mal wieder eine neue Wolfsmanagementverordnung gegeben. Man muss den derzeitigen Stand der Wolfsproblematik kennen, um die neue Verordnung verstehen zu können:

Die Zahl der Wölfe in Deutschland nimmt jährlich um ca. 33% zu. Erschreckend sind die überproportionalen Zunahmen der Wolfsrisse an Nutztieren von 66% im Jahr 2017 gegenüber dem Vorjahr, (laut DBBW – Dokumentations- und Beratungsstelle des Bundes zum Thema Wolf) , und das besonders in den „alten“ Wolfsgebieten ( u.a. in der Lausitz), ganz im Gegensatz zu den Vorhersagen, dass dort die Probleme geringer werden, weil angeblich der Schutz für die Herden besser wird. Das ist ein unhaltbarer Zustand.

Die überproportionale Zunahme der Wolfsrisse an Weidetieren begann bereits vor 10 Jahren und steigt prozentual ständig weiter, weil die Räuber dazulernen und es dem Nachwuchs zeigen, wie es gemacht wird. Über 220cm hohe Zäune wurden schon überwunden. Bis zu 40cm tief wurden Zäune schon untergraben. Auch Großvieh, Pferde und Esel wurden schon gerissen oder lebensgefährlich verletzt. Herdenschutzhunde konnten nicht immer die Wölfe verdrängen. Der Jagdtrieb der Räuber zwingt sie in der Schafherde so lange zu wüten, bis sich nichts mehr regt. Da sind schon wiederholt mehrere Dutzend Tiere auf einmal gerissen worden.

Mittlerweile hat Deutschland mehr Wölfe als alle skandinavischen Länder zusammen; denn dort werden die Großräuber planmäßig geschossen. Die gravierenden Unterschiede werden noch deutlicher, wenn man die riesigen Wälder und die menschenleere Tundra im Norden vergleicht mit unserer hohen Besiedelungsdichte. Deutschland ist unter den Flächenländern Europas das am dichtesten besiedelte. Es ist in allen seinen Teilen ein sehr ausgeprägtes Kulturland.

Hier kommen wir zur grundlegend falschen Sicht der Wolfslobby. Sie macht keinen Unterschied zwischen ursprünglicher Natur und Kulturland. Die Wölfe waren vorhanden, ja sie waren notwendig, als die menschlichen Siedlungsgebiete noch Inseln im Meer des Urwalds waren. Heute sind die Wälder Forste und Inseln zwischen bäuerlichen Kulturen, sowie Industrie- und Siedlungsgebieten. Straßen und Schienen liegen wie ein dichtes Spinnennetz über dem Land. Das hohe Wildangebot und die Weidetiere gehören dazu. Das sind Ressourcen der Menschen. Sie sind nicht für die Wölfe gedacht. Die machen aber Gebrauch davon und leben wie die Made im Speck. Damit ist eine derartig hohe Rudeldichte eingetreten wie nirgends sonst auf der Welt. Das ist unnatürlich. Die Menschen müssen das nicht dulden. Die Wölfe müssen weg.

In Jägerkreisen wird deshalb die Forderung aufgemacht, Wölfe jagen zu dürfen. Sie wollen, dass die Tiere aus dem Anhang IV der FFH-Richtlinie in den Anhang V, mit nur teilweisem Schutz, übernommen werden. Polen hatte sich von vornherein diese Einschränkung ausbedungen. Die deutschen Vertreter hatten dies bewusst nicht getan, obwohl die deutschen Verhältnisse das viel mehr als Polen erforderlich machen würden.

Unter Weidetierhaltern und der Bevölkerung auf dem Land überhaupt, wird das konträr gesehen. Anders als bei den Grünröcken geht es bei den Weidetierhaltern um Existenzen und bei der Bevölkerung um Sicherheit und die schwindende Lebensqualität auf dem Land. Menschen sind unter den derzeitigen Bedingungen des überaus hohen Nahrungsangebotes für die Wölfe noch relativ sicher. Das trifft aber nicht auf Kinder zu. Heikle Situationen sind durchaus denkbar, besonders bei kranken und alten Wölfen, in langen Wintern und bei hohem Schnee. Die ständige Zunahme der Rudel wird zu Konkurrenzen unter ihnen führen. Einige Totfunde an Wölfen zeigen Wolfsbisse als Ursache. Wenn einmal die gute Nahrungsbasis der Wölfe schwindet, wird es gefährlich.

Man muss endlich mit der unqualifizierten Aussage aufräumen, dass Menschen nicht zum Nahrungsspektrum der Wölfe gehören. Nur unsere jahrtausende Jahre lange Jagd auf die Raubtiere hat eine temporäre Scheu der Räuber gegenüber den Menschen erzeugt. Jetzt ist es schon deutlich zu spüren, dass diese Scheu nachlässt, weil die Wölfe nicht mehr verfolgt werden. Schriften aus dem 18. und 19. Jahrhundert dokumentieren die vielen Opfer. In Zeiten von großen Kriegen und Seuchen wurden tote und verletzte Menschen zur Nahrung der Wölfe.

Im Gegensatz zur Jägerschaft machen die Weidetierhalter geltend, dass auch wenige Wölfe im Land für Unsicherheit sorgen können. Sie können sehr schnell große Enfernungen zurücklegen. Fünfzig Kilometer am Tag sind kein Problem. Auch achtzig Kilometer wurden schon erreicht. Wer hätte das erwartet, dass am 13. April 2019 in Oberwiesenthal Wölfe zuschlagen, weit weg von Wolfsgebieten und in der Kammlage des Erzgebirges. Sechs Schafe wurden gerissen, davon zwei in einem Stall. Oberwiesenthal ist keine absolute Ausnahme. Es gibt wohl kein Bundesland in dem Wölfe nicht schon unerwartet ihre Blutspur hinerließen.

Fakt ist, in Deutschland werden keine Wölfe gebraucht. Jagd und Hege des Schalenwildes funktionieren planmäßiger, zielgerichteter. Würden wir alles den Wölfen überlassen hätten wir bald kein Rehwild mehr. An das wehrhafte Schwarzwild aber trauen sich die Raubtiere noch kaum heran. Die Wölfe brauchen das Gebiet Deutschlands nicht zur Erhaltung der Art. Die IUCN (International Union for Conservation of Nature and Natural Resources) hat den Europäischen Grauwolf aus der Roten Liste der streng geschützten Arten gestrichen.

Also entspricht das, was die Wolfslobby hier tut, nur ihren subjektiven Wünschen. Das gilt ebenso für den Anfang des Wolfsschutzes in den 1970er Jahren, als in der Berner Konferenz die Grundlagen festgelegt wurden.
Der eurasische Wolf hat in Sibirien die ursprüngliche Natur für die er geboren ist. Dort finden wir einen unversiegbaren Quell der Art Canis lupus l. In unserer Enge sind die Tiere einem hohen Hybridisationsdruck ausgesetzt. Da findet eine junge rollige Wölfin auch in einem hübschen Haushund einen Partner.

Es ist die sehr lange Zeit von Jahrtausenden, mit der ständig dichter werdenden Besiedelung, die hier die Wölfe zu Hybriden gemacht hat. Einen kleinen Anteil hatten auch die regelmäßig aus Zoos und Wolfsgehegen freigelassene Tiere. Die Züchtung von Wolfshybriden für die Sowjetarmee, die später freigelassen wurden, trug ebenfalls dazu bei. Damit ist in Europa, ev. ausgenommen der äußerste Nordosten, die Art Canis lupus l. augestorben. Mit der Forderung der Wolfslobby in der EU-Kommission und in Deutschland nach einer flächendeckenden Verbreitung und dem absoluten Schutz der Wolfshybriden, stellen sie sich voll ins Abseits. Das deutsche Gesetz zum Schutz der Wölfe ist formal noch gültig. Es ist längst Zeit das Gesetz zu kassieren.

Das Problem der Wolfshybriden ist wohl das heikelste in diesem Zuammenhang, denn diese Mischlinge müssen lt. Gesetz aus der Natur entfernt werden. Hier stößt man bei der Wolfslobby natürlich auf den härtesten Widerstand, würde es ihnen doch den Boden unter den Füßen wegziehen. Aber hinter diesen Fakten steht die Wissenschaft; u.a. mit Professoren aus Russland, Frankreich, Schweden, Finnland, Kanada und Deutschland. Professor V. Geist aus Calgary, Kanada hat das in einem kurzen Artikel über die eurasischen Wölfe, überschrieben mit dem Titel „Plädoyer für den echten Wolf“, zusammengefasst.

Wir benutzen immer noch das Wort „Wolf“, wohl aus Bequemlichkeit, um „Wolfshybride“ zu vermeiden. Das sollte aber nicht das große Problem sein. Vielmehr muss man sich wundern über die Uneinsichtigkeit der Verantwortlichen in den Ämtern, angesichts der seit vielen Jahren vorhandenen erdrückenden Fakten. Diese geistige Beschränktheit – auf alle Erfahrungen, wissenschaftliche Erkenntnisse, den Blick in die Vergangenheit und in die Zukunft zu verzichten, ist doch typisch für den Tunnelblick von Ideologen. Diese Oberflächlichkeit und eindimensionale Sichtweise ist erstaunlich für unser hoch entwickeltes Land.

Eine Menschengemeinschaft, die ihre Wurzeln vergisst, ist wie ein welkes Blatt im Wind. Dass der Kampf der Bauern gegen das Raubzeug wie Säen und Ernten, eine existentielle Einheit bilden, haben Generationen verinnerlicht, das kann man nicht vergessen.

Kommen wir zu den finanziellen Auswirkungen des Wolfsproblems in Deutschland: Im Jahr 2017 betrugen die gesamten Kosten ca. 75 Millionen Euro, kalkulierbare Schäden noch nicht eingerechnet. Große Posten sind die hohen Gehälter in den Umweltministerien der Bundesländer. Die Leiter der für die Wölfe zuständigen Strukturen sind Ministerialräte oder gar Ministerialdirigenten mit entsprechend breitem Personalbestand. Dazu kommen die horrenden Kosten für die nach außen an die NGO´s vergebenen Aufträge. Ständig werden neue Strukturen zur Beherrschung der Wölfe gebildet.

Wie ist das zu bewerten?

Es sind 75 Millionen zu viel. Es ist schade um jeden Euro, weil absolut kein Nutzen erzeugt wird. Diese horrenden Summen sind nicht etwa nutzlos aus dem Fenster geworfen worden, das wäre noch besser. Viel schlimmer, mit dem Geld werden riesige Schäden generiert. Ein unverzichtbarer Teil der Landwirtschaft wird platt gemacht. Existenzen werden vernichtet. Die Ökologie von Weidegebieten und Wäldern wird ruiniert. Die Lebensqualität auf dem Land verringert sich. Die Auswirkungen von vielen tausenden Raubtieren im Deutschland der Zukunft sind gar nicht vorstellbar.
Bei angenommen 750 Wölfen in Deutschland hat im Jahr 2017 jeder einzelne Wolf 100 .000 Euro gekostet.
Deutschland hat zur Zeit ca. 1,5 Millionen Schafe. Etwa 1,0 Millionen davon sind Mutterschafe. Seit Jahren fordern die Schäfer pro Mutterschaf eine Prämie von 37,0 Euro um die schlimmsten Verzerrungen im Ertrag der Schafhaltung zu mildern. Das wären 37 Mio Euro in der Summe.
Diesen kleinen Betrag hat bisher kein Landwirtschaftsminister aufgebracht. Also, für nur die Hälfte der Wolfskosten hätte diese Forderung der Schäfer erfüllt werden können.
Eine KTBL-Studie vom März 2019, unter Federführung von Prof. Pfannenstiel, stellt fest, dass die Schafhalter 90% der Kosten für die Wolfsabwehr tragen. Deshalb wurde ein Antrag an die EU-Kommission gestellt, die Schäfer p. a. mit 40 Euro pro Tier zu unterstützen. Das wäre gut für die Schäfer – aber die Wolfskosten würden noch einmal gewaltig ansteigen und an dem hohen Arbeitszeitaufwand würde sich gar nichts ändern.

Ohne die horrenden Wolfskosten wären die 40 Millionen schon bezahlt und zusammen mit der Beseitigung der Wölfe könnte der Aderlass der Schäferbetriebe endlich aufgehalten werden. Das ist dringend notwendig, haben wir doch heute, im Jahr 2019 die 100 Millionen an Kosten für das Raubzeug schon erreicht.

Erst der der finanzielle Gesichtspunkt des Wolfsschutzes zeigt doch das ganze Dilemma in seiner unbegreiflichen Tragweite.
Wer glaubt, dass die Sächsische Wolfsmanagementverordnung, die am 16.4.2019 erlassen wurde, irgendeine Verbesserung bringt, sollte das Folgende lesen:

— Wölfe dürfen verjagt werden, wenn sie sich einem Wohngebäude oder Menschen auf unter 100 Meter nähern.

— Wenn Wölfe die Schutzmaßnahmen für Nutztiere innerhalb von 2 Wochen zweimal überwinden oder Menschen auf weniger als 30 Meter nahekommen, darf geschossen werden.

Befassen wir uns mit letzterem: Wer kann den Wolf in der Nacht bei der Arbeit zusehen? Wer ist sich sicher, dass es der Wolf ist, der schon mal da war? Wird der Falsche geschossen kann das 50.000 Euro oder 3 Jahre Haft kosten. Was macht der Jogger oder die Mutter mit Kinderwagen wenn sich Wölfe auf unter 30 Meter nähern? Das Tragen von Waffen ist in unserem Land stark reglementiert, was zu begrüßen ist. Das wird leider nicht so bleiben.

Das neue Gesetz zeigt, dass die Verfasser nicht wirklich eine Lösung des Wolfsproblems wollen. Liebe Freunde, befassen Sie sich bitte selbst mit der Verordnung im Original und Sie finden noch mehr Beispiele dafür.

Der sächsische Landwirtschaftsminister Thomas Schmidt sagt dazu: „Wir sind an die Grenze des Möglichen gegangen“. Es sind die Grenzen, die die Wolfslobby gesetzt hat. Der Minister sollte doch vielmehr seiner Klientel, den Landwirten verpflichtet sein.

Solche unqualifizierten Auslassungen, wie diese Wolfsverordnung, gießen nur mehr Öl ins Feuer. Die Autoren und die ganze Wolfslobby müssen sich nicht wundern, wenn sie in den anstehenden Wahlen die verdiente Quittung bekommen.

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