Gescheitertes Wolfsmanagement – Konfliktsituation Ostsachsen – wie weiter?

Adolf With, Beiersdorf

Gescheitertes Wolfsmanagement – Konfliktsituation Ostsachsen – wie weiter?

1.Einleitung

Vor drei Jahren haben wir an dieser Stelle über Erkenntnisse ostsächsischer Jäger und betroffener Weidetierhalter zur Rückkehr der Wölfe und den Anforderungen an ein belastbares Monitoring berichtet.

Das diesjährige Symposium ist uns Verpflichtung eines erneuten Berichtes, verbunden mit der Erwartung nach praktikablen Erkenntnissen der Jagdwissenschaft für ein aktives Wolfsmanagement. Auch wenn die sich heute aus der Wolfsbesiedlung Deutschlands ergebende Wissenschaftsproklamation seinen Schutz und seine Bestandsregulation beinhaltet, stellen wir fest, immer noch ist die staatliche Politik in unserem Lande weit davon entfernt, das praktische Handeln eines aktiven  Wolfsmanagements nach wissenschaftsbasierten Erkenntnissen und Erfahrungen zu entscheiden.

Diese Feststellung machen zu müssen legitimiert die Frage nach den Ursachen und den Möglichkeiten, diese Situation grundhaft zu verbessern.

2. Gescheitertes Wolfsmanagement

Das heute offenkundige Scheitern des bisherigen Wolfsmanagement zeigt sich den Menschen in Ostsachsen in der rasanten Wolfsbestandserhöhung, einer neuen Dimension der Konflikte durch steigende Weide- und Nutztierrisse in geschützter Haltung mit Existenzbedrohung der Weidewirtschaft, der Gefährdung öffentlicher Sicherheit und der nachhaltigen Entwicklung im ländlichen Raum, den Auswirkungen in der Jagdwirtschaft und in einer ignoranten Ablehnung wissenschaftlicher Erkenntnisse und Erfahrungen der Länder mit ununterbrochener Wolfspräsenz.

Nur eine kritische Analyse dieser gescheiterten Politik kann die Grundlage für positive Veränderungen sein. Gerade deshalb müssen wir Klartext sprechen, um wenigstens von dieser Bühne aus gehört zu werden und Veränderungen zu befördern.

Indem die sächsische Politik jahrelang den Problemen und Sorgen der von den Wölfen betroffenen Weidetierhaltern, Landwirten, Jägern und Grundeigentümern in Ostsachsen keine Beachtung schenkte, entwickelte sich die heute unübersehbare Unzufriedenheit der Menschen und ihr Vertrauensverlust in die Gesellschaftspolitik.

Sie fühlen sich allein gelassen und tolerieren nicht mehr die praktizierte Politik des Ökologismus, Umweltfragen an Wichtigkeit über alle anderen Belange zu stellen. Und sie erkennen dabei eine zunehmende Hysterie, einen Zynismus des Denkens ohne Anteilnahme am Geschick Anderer, den fehlenden Zorn über Ungerechtigkeit und den Niedergang des sozialen Miteinanders. Gerade diese Ideologie hat den Wolf mit einem Tabu belegt, einer religiös anmutenden Überhöhung, womit die Durchführung von Handlungskonzeptionen zum Konfliktabbau und der Einordnung wissenschaftlicher Erkenntnisse seitens politischer Entscheidungsträger erschwert und immer wieder verzögert wird.

In kompromissloser Art und Weise wird bisher in Deutschland ein extremer Naturschutz statuiert und ein Raubtier mit der Rechtfertigung verteidigt, sämtliche durch Wölfe verursachten Schäden werden doch ohnehin vom Staat entschädigt. Genau das aber haben die Menschen in den ländlichen Regionen satt und stellen die Frage, wer ist dafür verantwortlich und wer profitiert von dieser Politik?

Aufschlussreich dafür ist die Betrachtung der naturschutzdominierten deutschen Wolfspolitik hinsichtlich ihrer strategischen Ausrichtung

2.1. Strategische Ausrichtung deutscher Wolfspolitik

 Mit der Unterschrift Deutschlands unter die Berner Konvention von 1979 ohne mögliche Vorbehalte und einer nicht nachvollziehbaren widerspruchslosen Aufnahme deutscher Wölfe in den Anhang IV FFH-RL 92/43 ergaben sich die Grundlagen für die bundesrechtliche Übernahme in die Bundesnaturschutz-VO von 1999 und das Bundesnaturschutzgesetz von 2002. Nicht zufällig vermied man dabei die im Artikel 22 FFH-RL geforderte vorherige Prüfung der Zweckdienlichkeit einer Wolfsansiedlung, einen vorherigen Erfahrungsaustausch mit Nachbarstaaten und selbstredend auch die rechtzeitige Konsultierung der Bevölkerung. Im danach 2006 vom Wildbiologischen Büro LUPUS angefertigten „Fachkonzept für ein Wolfsmanagement in Deutschland“ und den davon abgeleiteten Managementplänen der Bundesländer offenbaren sich die Strategie und Utopie der beschlossenen staatlichen Wolfspolitik:

  1. In einem bundesweiten Feldversuch ist zu beweisen, Wölfe können dauerhaft in dichtbesiedelter Kulturlandschaft in selbstgewählten Territorien leben,
  2. Der strenge Schutzstatus ist dabei ständig aufrecht zu erhalten,
  3. Problemfälle sind grundsätzlich positiv und unspektakulär zu begleiten,
  4. beginnend im Vorschulalter, ist die Bevölkerung auf den Wolf einzustimmen,
  5. Die Wiedereingliederung der Wölfe ist vorrangig durch die Arbeit der Naturschutzorganisationen unumkehrbar zu machen.

So kann man verstehen, dass die Wolfsmanagementpläne der Bundesländer erheblich von der Lobby kommerzieller Naturschutzverbände geprägt und erarbeitet wurden mit teilweise gezielter Ausgrenzung anderer Interessensverbände. Da sich die Politik dem Dogma der Meinungs- und Deutungshoheit extremer Wolfsbefürworter aus Furcht vor dem Verlust potentieller Wählerstimmen auslieferte, hat das bisherige Wolfsmanagement in den Bundesländern mit einem komplexen Wildtiermanagement inhaltlich keinen Bezug. Deshalb ist der Dialog zwischen den Konfliktparteien bis heute eine von der Wolfslobby bestimmte Einbahnstraße.

Auch die am 16.04.2019 beschlossene Sächsische Wolfsverordnung bietet noch keine praxisnahe Lösung der ausufernden Wolfsbestände an.

Wir registrieren eine Zunahme kritischer Stimmen für eine Änderung staatlicher Wolfspolitik (Koalitionsvertrag von CDU und SPD vom März 2018, Ministerratsinitiative der Länder Sachsen, Brandenburg und Niedersachsen im Vorjahr, Forderung nach einer Obergrenze Wolf für Deutschland und Übernahme des Wolfes in das Bundesjagdgesetz der Umweltpolitischen Sprecher der CDU und CSU von Bund und Ländern im März 2019).

Bei aller Skepsis über die realen Beweggründe dieser veränderten politischen Grundhaltung fordern wir ihre praktische Umsetzung. Nur wenn dem ständigen ideologischen Druck der Umwelt- und Naturschutzorganisationen seitens staatlicher Organe Paroli geboten wird, können Konflikte abgebaut und eine langjährige utopische Wolfschutzdoktrin beendet werden.

2.2. Arbeitsgruppe Wolf

 Wegen ausbleibender staatlicher Regelungen der Wolfsbestandserhöhung und dem jahrelangen Verschlafen eines Aufbegehrens gegen die gezielte, schleichende Erosion der Jagd, gründeten engagierte Jäger Ostsachsens 2013 eine Aktionsgruppe Wolf, die seit 2018 zudem als bestätigte Interessenvertretung des Landesjagdverbandes Sachsen arbeitet.

Seit sechs Jahren konfrontieren wir politische Entscheidungsträger mit den Forderungen der Jägerschaft, wandten uns in Petitionen an den Sächsischen Landtag, die Bundesregierung und an die EU. Im November 2015 und April 2016 kam es in Brüssel zur Behandlung unserer Petition mit den Forderungen nach Umstufung der im Anhang IV der FFH-RL gelisteten deutschen Wölfe in den Anhang V, nach populationsbezogener Bestandsbewertung und einem Artenschutz für alle Wildtiere (Herzog, S.; l, Pfannenstiel, H.D.)

Wir sehen es als unsere Pflicht an, weiter diese Forderungen solange öffentlich zu machen, bis eine politische Kraft konstruktive Lösungen realisiert. Dabei folgen wir der historischen Erkenntnis, Macht gewährt keine Zugeständnisse ohne Forderung in dem Wissen, es sind Geduld, Verhandlungen und Kompromisse erforderlich, um etwas zu bewirken.

Grundsätzlich widersprechen wir dabei der praktizierten Alleinvertretung von Naturschutzorganisationen gegenüber dem Wolf, ihrer angemaßten Deutungshoheit. Ein ideologisches Meinungsmonopol kann nicht weiter Grundlage eines Umganges mit dem Wolf bleiben.

3. Konfliktsituation Ostsachsen

Die mit der Wolfbesiedlung in Ostsachsen entstandenen Probleme haben sich kontinuierlich verstärkt und ergeben heute eine neue Dimension, womit ein staatliches Wolfsmanagement auch nicht mehr politisch schön zu reden ist, es hat einfach versagt. Dem weltfremden Wunsch nach Integration von Wölfen in Kulturlandschaften fehlte ein von Wissenschaft determiniertes Programm großräumiger Maßnahmen sowohl des Schutzes für den Wolf als auch der Regulation seines Bestandes und für den Artenschutz aller Wildarten (Geist, V.).

Im November 2018 informierte das Bundesamt für Naturschutz über 73 bestätigte Wolfsrudel und 30 Paare in Deutschland mit dem Verweis auf die gleichzeitige positive Wirkung für die Biodiversität. Aber auch ein überzogener Schutz eines Raubtieres kann nicht den weltweiten Verlust biologischer Vielfalt verhindern und gefährdet zudem andere heimische Tierarten.

Die Jäger Ostsachsen haben umfangreich Erfahrungen mit den Wölfen gesammelt, können mit ihrer Ausbildung, Ausrüstung, Einsatzfähigkeit und Ortskenntnis den Zustand von Fauna und Flora beurteilen. Sie sagen, die staatlichen Wolfsbestandsangaben entsprechen nicht der Realität, die Öffentlichkeit wird mit falschen Daten versorgt, der nachweisliche Zuwachs wird verschwiegen. Es gibt keine Übersicht, wo sich aktuell bundesweit wie viele Wölfe aufhalten. Ohne Kennzeichnung bereits erfasster Tiere können die vorhandenen Wolfsrudel und die Zahl der Wölfe nicht annähernd erfasst werden. Die Bestandsangaben der Landbewohner und von Jägern differieren um das 2-3-fache. Stattdessen hat man in Deutschland Traumgrößen von Rudelterritorien am Schreibtisch konstruiert und statistisch darüber gewacht, dass diese stets nur von einem „bekannten“ Rudel besetzt sind. Mit einer möglichst niedrigen Bestandsdichte zwecks Weiterführung des strengen Wolfsschutzes verschweigt man, dass unter bestimmten Voraussetzungen die Flächengröße eines Territoriums weit unterschritten werden kann. Dem gescheiterten Sächsischen Wolfsmanagement fehlte eine realitätskonforme, quantitative Bestandsermittlung mit modernen Methoden.

3.1. Wolfsbesiedlung Ostsachsen und Auswirkungen

 Der Schwerpunkt der Wolfsbesiedlung Sachsens ist immer noch die Region Oberlausitz, besonders die Landkreise Görlitz und Bautzen. Auf 24 % der Fläche Sachsens konzentrieren sich hier allein 16 Wolfsrudel der im Monitoringjahr 2017 / 2018 für ganz Sachsen angegebenen 21 Rudel und
4 Wolfspaare.

Auf der Fläche beider Landkreise von 4500 km² besteht mit 28 Wölfen/1000 km² europaweit die größte Wolfsdichte.

Da Sachsen mit 221 Einwohnern/km² im Vergleich zu Estland mit 29 Einwohnern /km² wesentlich dichter besiedelt ist, sind die 7 Rudel für Sachsen noch zu hoch angesetzt.

Die jagdwirtschaftlichen Auswirkungen sind deutlicher geworden. Wir bestätigen die Erfahrungen anderer Länder mit ununterbrochener Wolfsbesiedlung, frühestens nach 10 Jahren sind der Rückgang von Schalenwildbeständen und Auswirkungen auf die Biodiversität zu erkennen (Stubbe, M.; Geist,V.; Obretenow, A.  u.a.).

Das Hauptbeutetier der Wölfe ist das Reh. Nahrungsanalysen belegen einen Anteil von 53 %, gefolgt mit 21 % Anteil des Rotwildes. Der tägliche Fleischbedarf eines Wolfes von 4-5 kg ergibt einen Jahresbedarf von etwa 1,7 t, entspricht 64 Stck. Rehen, 9 Stck. Rotwild, 16 Stck. Schwarzwild pro Jahr.

Damit wird klar, Wölfe sind beachtliche Mitjäger in den Revieren mit der Wirkung eines wirtschaftlichen Schadens, einer Einbuße an Gütern und der Artenvielfalt.

Die Jagdstrecken bei Reh- und Damwild sind regional rückläufig, wobei wir den quantitativen Einfluss des Wolfes auf Beutetiere von kaum registrierbar bis stark bestandsbegrenzend sehen müssen (Stubbe, M.) Falsch positive Streckenergebnisse sind u.a. dem gezielten Reduktionsabschuss für den Waldumbau anzulasten. Dabei haben sich forstliche Vorstellungen von weniger Verbiss der Waldvegetation unter Wolfspräsenz nicht erfüllt. Die sich entwickelnde Reduktion der Schalenwildbestände durch den Wolf kann sich bei Fortführung der wildfeindlichen Haltung der Forstwirtschaft bis zum Zusammenbruch regionaler Bestände auswirken.

Für seine Jagd auf Rehwild und Kälber des Rot- und Damwildes benötigt der Wolf keine spezielle Strategie und keinen Rudeleinsatz, sie ist vielmehr zufallsdominiert.

Zu registrieren sind deutlichere Verhaltensänderungen unseres Schalenwildes mit erschwerter Bejagbarkeit. Eine veränderte räumliche und zeitliche Flexibilität, erhöhte Unruhe und gesteigerte Aggressivität des Schwarzwildes sowie das verstärkte Auftreten von Rotwildgroßrudeln und Großrotten von Schwarzwild belegen eine erzwungene Habitatnutzung, die mit den bekannten, die Rudelgrößen beeinflussenden Parametern nicht mehr erklärbar sind.

Das Schadenspotential dieser veränderten Sozialstrukturen mit den nachfolgenden Wildschadensforderungen an die Jäger ist gesellschaftlich unterschätzt und wird gezielt unvertretbar bagatellisiert. In Ostsachsen häufen sich Wolfsrudelsichtungen auch am Tage, sie jagen inzwischen in den Ortschaften und Parkanlagen, bei steigenden Nutztierrissen in den Dörfern sind Zaunhöhen von 2m kein Hindernis. Die Jäger sehen einen reduzierten Rehwildbestand (KALB, R.) bei einem deutlich höheren Wolfsbestand als angegeben. Keinesfalls scheu, beobachten die Wölfe die Jäger, lagern teilweise vor Hochsitzen, begleiten die Jäger bei notwendiger Nachsuche, das erlegte Wild wird besetzt oder verschleppt. Bei Drückjagden laufen sie teilweise gezielt in das Treiben hinein, verjagen Stöberhunde.

Bei Rotwild selektiert der Wolf Kälber und alte Stücke, die Rottiere in Ostsachsen führen nicht mehr genügend Nachwuchs, der Wolfsprädation kann nicht durch erhöhte Reproduktion gegengesteuert werden. Die 2008-2010 im Wolfgebiet des aktiv genutzten Truppenübungsplatzes vorgenommenen Untersuchungen ergaben eine im Wesentlichen unveränderte saisonale Raumnutzung und Ausweich- oder Fluchtbewegungen. Die ermittelte wolfsbedingte Mortalitätsrate lag bei einem Drittel der Rotkälber und etwa 20% des adulten Rotwildes. (Roth, M.u.a.-2016). Dass es zu keiner Verlagerung der Rotwildpopulation von dem Truppenübungsplatz mit Wildruhezonencharakter kam, erklärt nicht die Wirkung von Wölfen auf Rotwildbestände in stärker anthropogen belasteten Habitaten. Dazu fehlen noch belastbare Daten.

Auch in der Oberlausitz töten Wölfe mehr als sie brauchen, werden sie nicht gestört, kann eine Herde komplett getötet werden (Obretenow, A.-2014). Beweise einer möglichen verheerenden Wolfswirkung sind die Angriffe am 22.02.2016 auf eine 130-köpfige Schaf- und Ziegenherde in der Königsbrücker Heide mit 70 getöteten Nutztieren und auf eine Schafherde im ostsächsischen Förstgen im Oktober 2018 mit dem Verlust von 90 Tieren, darunter 78 Mutterschafe.

In Ostsachsen erleben wir das Auslöschen unseres Muffelwildes. So haben die neun Wolfsrudel des Landkreises Görlitz den Bestand Königshainer Berge von etwa 550 Mufflons bis 2016 vernichtet (Weber, I. Den Tieren im Einstandsgebiet Cunewalde widerfuhr das gleiche Schicksal.

Wir betrachten das in der Kulturperiode der Steinzeit noch von Süddeutschland bis zum Mittelmeer lebende standorttreue Mufflon, seit über 100 Jahren in Deutschland ein integriertes Faunenelement, als heimische Tierart. Zur Hege und Erhaltung heimischen Wildes verpflichtet, fordern wir, den irrsinnigen Umgang mit dieser Tierart zu beenden und Schutzzonen für noch intakte Bestände festzulegen. Es ist die hochaktuelle Aufgabe, das europaweit drohende Aussterben des Muffelwildes zu verhindern. Wir brauchen einen Artenschutz für alle freilebenden Wildarten, der auch die nachhaltige Nutzung natürlicher Ressourcen einschließt (Reiterer, M.E. 2001).

Dass die Nähe der Wölfe zu menschlichen Siedlungen einen starken Hybridisationsdruck hervorbringt bestätigt ein Hybridenwurf 2003 in der Oberlausitz. Da Oppositionsbehauptungen einer großen Zahl von Mischlingen im deutschen Wolfsbestand in nationaler und EU-Politik negiert werden und solange die Hybriddiagnostik als Untersuchungsmonopol des Senckenberg Institutes intransparent bleibt, solange bleibt ein Misstrauen gegen die Arbeit dieses Institutes bestehen und damit  die Möglichkeit nicht ausgeschlossen, dass im Wolfsbestand weit mehr Hybriden leben als zugegeben.

Wir fordern deshalb die Beprobung von DNA-Material durch voneinander unabhängige Labore, die Offenlegung genetischer Datenbasen und Weitergabe von Referenzproben des Senckenberg-Institutes. Zur sicheren Hybriddiagnostik ist eine aus einer Wolfspopulation ohne Kontakt zu Haushunden gewonnene Referenz-DNA zu verwenden und als Standard für andere Labore anzubieten. Parallel dazu sind morphologische Analyse und Kraniometrie einzusetzen (Jähde, M.; Ansorge, H.). Das bisherige Wolfsmanagement kann eine langsame Hybridisierung und damit den Verlust des echten Wolfes nicht ausschließen. Deshalb sind die 2014 veranlassten strengen Schutzbestimmungen für Hybriden aufzuheben. 

Als Jägerschaft unterstützen wir solidarisch die Belange und Interessen der Landwirte, Weide- und Nutztierhalter. Mit der Ausbreitung der Wölfe entwickelte sich die Anzahl der Nutztierübergriffe zum größten Konfliktfeld. In Ostsachsen spricht man bei zunehmenden Angriffen auf geschützte Herden mit teilweise dramatischen Vielfachrissen (bei Förstgen, bei Königsbrück), auf Gatterwild (26 Stck. Damwild September 2017 in Rietzschen) von einer neuen Dimension der Konflikte. Im Kreis Bautzen hat 2018 die „Initiative wolfsgeschädigter und besorgter Bürger“ eine Petition an den Sächsischen Landtag mit 19.000 Unterschriften zur Begrenzung des Wolfsbestandes in der Oberlausitz eingereicht, nachdem im Bereich der Gemeinde Rosenthal bei Wolfsangriffen über fünf Jahre mehr als 200 Nutztiere getötet wurden. Wir Jäger haben im Vorfeld mit den Petenten beraten, sie unterstützt und an nachfolgenden Mahnfeuern teilgenommen.

Von 2013 bis 2017 haben sich die Wolfsrisse bei Weidetieren in Sachsen verzehnfacht. Durch die Wolfsbesiedlung ist der Schafbestand Sachsens von 600.000 auf 60.000 Stck. gesunken. Der bisherige passive Herdenschutz ist gescheitert, er verhinderte weder die Existenzbedrohung der Weidewirtschaft noch die Prägung der Wölfe auf Nutztiere.

Die Frage, wie lange man realitätsferne Vorschriften urbaner Ökoextremisten noch duldet, haben Landnutzer und Tierhalter schon beantwortet. Sie wollen nicht mehr Nutztiere als Wolfsfutter produzieren, nur weil ein geschütztes Großraubtier angeblich nicht reguliert werden soll und sind nicht mehr gewillt, Naturdesignern den weiteren Umbau der Natur in Richtung Wildnis zu erlauben. Die Landbevölkerung lässt sich die von der Landesregierung betriebene Wolfsausbreitung nicht mehr gefallen. Sie fordern die Landesregierung auf, Schutzjagden auf den Wolf nach schwedischem Vorbild zu bestätigen und Weidetierhaltern die Verteidigung ihrer Tiere zu erlauben.

Die Weidewirtschaft wird durch Wolfsschäden an Nutztieren und Aufwendungen für Prävention am meisten belastet. Die Gesamtschadensentwicklung zeigt eine Vervielfachung der Nutztierangriffe, auch eine geringe Anzahl von auf Nutztiere und Überwindung von Zäunen spezialisierter Rudel. 470 Wolfsangriffe in Deutschland im Jahr 2017 waren 66 % mehr als 2016, die durch den Wolf getöteten Nutztiere waren 55 % mehr als im Vorjahr.

In Sachsen bedeuten 2018 139 Wolfsangriffe 322 Nutztierverluste, davon in den Kreisen Görlitz und Bautzen 52 Angriffe mit 206 Nutztieropfern.

Den größten Anteil am Nutztierrissgeschehen haben Schafe und Ziegen.

Die Steigerung der Wolfsangriffe auf Nutztiere in geschützter Haltung zeigt das Scheitern des passiven Herdenschutzes, zudem oft verbunden mit der Konsequenz der Aufgabe der Halter.

Nach offiziellen Angaben wurden allein von 2010 bis 2015 ca. 2,2 Millionen EURO für Managementmaßnahmen in Sachsen ausgegeben.

Bei der Schadensumfangbemessung muss die vordergründige Betrachtung der Rissstatistik beendet und ersetzt werden mit allen durch Wölfe verursachten Aufwendungen. Die Rissbegutachtung wird von Weide- und Gehegetierhaltern besonders angezweifelt. Als besser und kostengünstiger wird eine Entschädigungsentscheidung allein von Rissbegutachter oder Wolfsbeauftragten angesehen. Auszugehen ist von einer erheblichen Dunkelziffer nicht gemeldeter Nutztierrisse aus Gründen des bürokratischen Aufwandes im Melde- und Schadensbearbeitungsvorgang

4. Wie weiter?

Das praktizierte Wolfsmanagement scheiterte, weil man trotz rasanter Bestandsentwicklung der Wölfe und steigender Konflikte die Hauptaufgabe eines Wildtiermanagement, die Bestandslenkung und aktive Regulation bisher zu verhindern wusste. Mit einem zu erneuernden Management müssen die Konflikte der betroffenen gesellschaftlichen Gruppen minimiert, die aktive Regulierung des Wolfsbestandes und der Schutz der vom Wolf bedrohten Tierarten realisiert werden.

Zu gewährleisten sind die Sicherheit der Menschen, die Bewahrung der Weidewirtschaft und Nutztierhaltung sowie die nachhaltige Nutzung natürlicher Ressourcen.

Mit dem längst erreichten „Günstigen Erhaltungszustand“ der“ Baltisch-osteuropäischen Wolfspopulation“ und des in ihr integrierten deutschen Wolfsbestandes sehen wir keinen plausiblen populationsökologischen Grund eines Weiterbeharrens auf dem bisherigen strengen Schutz. An die Bundesregierung ergeht die Aufforderung der Jägerschaft, umgehend die überfällige Einordnung des Wolfes in den Anhang V der FFH-RL bei der Europäischen Kommission zu beantragen, auch gegen den Widerstand von NABU und Wolfslobbyisten. Auf der Grundlage europäischer Naturschutzgesetzgebung erwarten wir danach die Festlegung eines Akzeptanzwolfbestandes für Deutschland, der mit wissenschaftlicher Kompetenz zu erarbeiten ist und der ein Beitrag zum Erhaltungszustand der Population sein muss.

Als sächsische Jäger unterstützen wir die Forderung des DJV und der Nutzerverbände im Forum Natur nach einer wildökologischen Raumplanung für den Wolf und nach Wolfsausschlussarealen und Schutzgebieten. Die unlängst veröffentlichte Erklärung der umweltpolitischen Sprecher der CDU und CSU von Bund und Ländern, für Deutschland einen Akzeptanzbestand von 500 Wölfen festzulegen, mit einem aktiven Management gleichzeitig die Reduzierung regionaler Überbestände zu garantieren und die Wölfe in das Jagdrecht einzuordnen, begrüßen wir nachdrücklich. Von der Sächsischen Wolfsverordnung erwarten wir die rechtlich abgesicherte Entnahme verhaltensauffälliger Wölfe und die konsequente Anwendung aller mit Artikel 16 der FFH-RL gegebenen Ausnahmeregelungen bis zur Entnahme von Tieren, die aus einem Zuwachs über einem Akzeptanzbestand schon jetzt notwendig ist. Nach dem Beispiel anderer Länder sind diese Maßnahmen einer sogenannten Schutzjagd durch rechtliche Anpassung kurzfristig anwendbar zu machen. Auch gegen den kategorischen Willen jener, die jegliche Wolfsbestandsregulierung verhindern wollen, muss mit definierter Bestandsobergrenze in Sachsen die Balance von Schutz der Tiere und den Interessen betroffener Menschen endlich erreicht werden.

Wir fordern von allen Entscheidungsträgern, als Bezugsgröße für den Erhaltungszustand einer Art die gesamte Population, aber nicht Vorkommen innerhalb politisch begrenzter Regionen gelten zu lassen. Wir appellieren an die Bundesregierung, den Aufbau eins wissenschaftlich belastbaren, grenzüberschreitenden Monitorings bezüglich Verbreitung und Genetik der Wölfe als Grundlage für ein grenzüberschreitendes Management nicht weiter zu verschieben, Transparenz im Umgang mit Monitoringdaten und paritätische Mitwirkung aller betroffenen Bereiche zu sichern. Ein zweites unabhängig arbeitendes, zertifiziertes Referenzlabor wird für Deutschland gefordert, um Verlässlichkeit von DNA- Analytik zu sichern. Für das heimische Muffelwild sind Muffelwildeinstandsgebiete festzulegen mit Jagdzeiten für Großraubtiere. Zur sicheren und schnellen Hybriddiagnostik ist eine Handlungsstrategie zu schaffen, in der für Wolf-Haushund – Hybriden Schutzbestimmungen entfallen.

Diese Positionen sind die Grundlage der weiteren Öffentlichkeitsarbeit sächsischer Jäger und ihrer Kommunikation mit politischen und staatlichen Entscheidungsträgern, den Verbänden von Landwirtschaft, den Weide- und Nutztierhaltern. Um eine Akzeptanz des Wolfes langfristig zu erreichen, halten wir sachliche Information der Bevölkerung ebenso wie Wissensübermittlung und aktive Problemlösung in einem partizipativen Prozess aller Betroffenen, die Sachkunde unabhängiger wissenschaftlicher Einrichtungen im Management und der Öffentlichkeitsarbeit als unbedingt erforderlich. Zu beenden ist das bewusste Ignorieren von Erfahrungen anderer Länder, das Leugnen historischer Tatsachen und wissenschaftlicher Verhaltensforschung des Wolfes sowie das Negieren der Gefährlichkeit des Wolfes für Menschen und die öffentliche Sicherheit

Wer den Wolf will muss akzeptieren, dass es nicht überall möglich sein kann und er dort, wo es erforderlich ist, konsequent fernzuhalten ist.

5. Zusammenfassung

 In der vorliegenden Arbeit wird nach 20jähriger Dauer eines heute als gescheitert zu bewertenden, passiven Managements des Rückkehrers Wolf die aktuelle Situation des Wolfes in Sachsen beurteilt. Es wird aufgezeigt, wie sich durch ein fachlich nicht angemessenes Management die Konflikte zwischen ländlicher Bevölkerung und Wolfsbefürwortern zu einer neuen Dimension entwickelten und sich ökologische und soziale Wirkungen der Wolfspräsenz verstärkten.

Bei annähernd flächendeckender Reproduktion des Wolfes in Sachsen werden jagdwirtschaftliche Auswirkungen einer extremen Wolfsbestandsdichte in der Oberlausitz dargestellt.

Nach kritischem Verweis auf Ursachen und Hintergründe bisher ausgebliebener staatlicher Regelungen im Interesse betroffener Menschen in ländlichen Regionen werden Forderungen zur Bestandsregulation des Wolfes, nach einer Obergrenze des Bestandes und nach Schutzjagd als Grundlage für eine allgemeine Akzeptanz des Wolfes formuliert.

 

Anschrift des Verfassers:

 Dr. med. Adolf With
 D-02736 Beiersdorf
 E-Mail:  adolf-with@freenet.de

Tabellenverzeichnis:

Tabelle 1: Wolfsbestandsentwicklung in Sachsen und BRD
Tabelle 2: Vergleichende Wolfsbestandsdichte in Rudeln
Tabelle 3: Anzahl des erlegten Rot-, Reh- und Schwarzwildes
Tabelle 4: Muffelwildstreckenergebnisse Königshainer Berge, Landkreis Görlitz
Tabelle 5: Muffelwildstrecken Landkreis Bautzen

Abbildungsverzeichnis:

Abbildung 1: Wolfsvorkommen Sachsen     
Abbildung 2: Wolfsverursachte Nutztierschäden in Deutschland
Abbildung 3: Nutztierrisse durch Wolf in Bundesländern
Abbildung 4: Haus- und Nutztierschäden in Sachsen 2002 -2017
Abbildung 5: Anteil Nutztierarten 2002 – 2018

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