Antworten – Wahlprüfstein (Wolf)

Anmerkung der Redaktion:

Mit Hinblick auf die kommenden Wahlen hat der Landesjagdverband Sachsen e. V. Wahlprüfsteine entwickelt und diese an die Parteien zur Beantwortung gesendet.
Folgende Parteien haben dazu Stellung genommen: AfD – SPD – Bündnis 90/Die Grünen – Die LINKE.
Keine Reaktion erfolgte von Seiten der CDU sowie der FDP.
Die abgedruckten Texte sind den Antworten der Parteien entnommen.
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Frage:

Wie steht Ihre Partei zum Wolf? Einer Begrenzung der Wolfspopulation? Der Entnahme von Problemwölfen und wolfsfreien Zonen und der geregelten Bejagung in dicht besiedelten Gebieten?

Welche Rolle soll der Jäger nach Ihrer Auffassung einnehmen? Wie wollen Sie die Akzeptanz von Entscheidungen Zur Entnahme absichern? Welche Maßnahmen werden Sie ergreifen wenn Jäger letale Entnahmen vornehmen müssen und wie werden diese dann juristisch begleitet?

 SPD

Die SPD begrüßt die Wiederansiedlung des Wolfes in Sachsen. Die wachsende Wolfspopulation ist ein emotionales Thema für die Menschen im ländlichen Raum und ein reales wirtschaftliches Risiko für Weidetierhalter. Die SPD steht für konstruktive Lösungen und eine Versachlichung der Diskussion. Die SPD sieht es als ihre Aufgabe, dem Schutz des Wolfes genauso Rechnung zu tragen wie den damit verbunden Aspekten der Sicherheit und den für betroffene Tierhalter.
Eine Begrenzung der Wolfspopulation im Sinne einer Bejagung lehnt die SPD ab. Die SPD spricht sich jedoch dafür aus, die Ausnahmeregelungen der FHH-Richtlinie nutzen zu können, sofern ein günstiger Erhaltungszustand erreicht ist. Der Wolf ist eine geschützte Tierart. Um hier Rechtssicherheit zu schaffen, hat die SPD die Wolfmanagementverordnung auf den Weg gebracht.
Die SPD steht dafür, Rechtssicherheit in Fragen der Entnahme und Vergrämung zu schaffen. Daher haben wir die Wolfsmanagementverordnung auf den Weg gebracht. Eine Vergrämung von Wölfen ist dann geboten, wenn sie sich an einem Wohngebäude aufhalten oder sich einem Menschen auf weniger als einhundert Meter nähern, sich nicht verscheuchen lassen und dadurch das öffentliche Leben gestört wird. Eine Entnahme ist dann geboten, wenn sich ein Wolf einem Menschen auf weniger als 30 Meter nähert und eine Vergrämung erfolgslos geblieben ist. Ebenso ist eine Entnahme zur Vermeidung erheblicher wirtschaftlicher Schäden möglich.
Mit der Wolfsmanagementverordnung wurde Rechtssicherheit geschaffen. Die Wolfsmanagementverordnung wurde auch in einem breiten Diskurs mit den unterschiedlichen Akteuren, einschließlich Online-Beteiligung, erörtert.
Jäger sind mit ihrer weidmännischen Kompetenz und Erfahrung wichtige Partner im Wildmonitoring. Ihre Mitwirkung bei der Bestanderfassung des Wolfes ist unerlässlich. In der öffentlichen Diskussion können Jäger aufgrund ihrer fachlichen Kompetenz zu einer sachlichen Diskussion beitragen und damit die Akzeptanz des Wolfes in der Bevölkerung erhöhen.

Bündnis 90 / Die Grünen

Bislang lief der Umgang mit dem Wolf anhand des sächsischen Managementplanes zufriedenstellend. BÜNDNIS 90/ Die GRÜNEN fordern die volle Unterstützung der Weidetierhaltung und haben größtes Verständnis für deren angespannte Situation. Die wichtigste Maßnahme für den Schutz des Wolfes ist ein durchgängiger Schutz der Weidetiere. Was die Themen im Artenschutz betrifft, wünschen wir uns eine Debatte fern vom Wolf zu den relevanten Problemen des Artenrückgangs.
Begrenzung der Wolfspopulation
Wir sind gegen pauschale Abschussgenehmigungen, sei es auch zahlenmäßig begrenzt. Die Abschussgenehmigung für auffällige Wölfe ist in unseren Augen eine äußerst sinnvolle Praxis. Es soll niemand zu Schaden kommen und die Anzahl der Übergriffe auf Weidetiere möglichst begrenzt werden. Abschüsse in gesunde Rudelstrukturen jedoch bewirken das Gegenteil.
In der aktuellen Diskussion ist es das Ziel, die Entnahme von mehreren Tieren bis zu ganzen Rudeln zu ermöglichen, in deren Revieren wiederholt Zäune überwunden wurden. Dies ist vor dem Hintergrund des auf das Individuum bezogenen Artenschutzrechts bisher nicht als Ausnahme begründbar und bedeutet einen nicht akzeptablen Dammbruch im Artenschutzrecht, auch wenn es nur auf den Wolf bezogen wäre.
Entnahme von Problemwölfen und wolfsfreien Zonen und der geregelten Bejagung in dicht besiedelten Gebieten. BÜNDNIS 90/ Die GRÜNEN sind für die Entnahme von Problemwölfen, anhand der Vorgaben des in breiter Abstimmung entwickelten Managementplans. Eine wolfsfreie Zone sowie die geregelte Bejagung lehnen wir mindestens ab, solange sich die noch keine stabile Population im Sinne des EU-Artenschutzes entwickelt hat.
Welche Rolle soll der Jäger nach Ihrer Auffassung einnehmen?
Seit der Aufnahme des Wolfes in das Jagdrecht sind die Jäger zur Hege heranzuziehen. Dazu gehört derzeit das Monitoring, aber aufgrund der ganzjährigen Schonfrist nicht die Jagd.
Wie wollen Sie die Akzeptanz von Entscheidungen zur Entnahme absichern? Welche Maßnahmen werden Sie ergreifen, wenn Jäger letale Entnahmen vornehmen müssen und wie werden diese dann juristisch begleitet?
Im Falle der notwendigen Entnahme eines auffälligen Wolfes ist die Abfolge der Maßnahmen im Managementplan festgelegt. Nimmt man diese wahr, sollten die Abschussentscheidungen nicht infrage gestellt und rechtssicher gelöst werden.

Die Linke

Eine Begrenzung der Wolfspopulation, eine geregelte Bejagung von Wölfen und wolfsfreie Zonen lehnen wir in der gegenwärtigen Situation ab. Auch Wölfe üben nur arteigenes Verhalten aus, dessen Tolerierung gleichwohl ihre Grenze findet, wenn Gefahr für Leib und Leben von Menschen droht. Im Vorfeld sind die bislang nur untergeordnet angewandten Maßnahmen der Vergrämung zu überdenken und – wo sinnvoll – zu intensivieren. Dies auch, um den geschilderten Situationen zuvorzukommen und bereits jetzt handlungsfähig zu sein. Gleichwohl liefern Menschen den Wölfen durch gezielte Fütterung, aber auch unangemessen geschützte Tierhaltung immer wieder Vorwände und Angebote, um Nahrung in Nähe der Menschen und nicht in der Natur zu suchen; das ist nicht den Tieren vorzuwerfen.
Entnahmeentscheidungen sind – nicht zuletzt auch vor dem naturschutzrechtlichen Hintergrund – sachlich zu bewerten und hinreichend abzusichern. Es ist sicherzustellen, dass im Ernstfall auch tatsächlich der wirklich problematische Wolf, der unerwünschtes Verhalten erlernt hat (etwa mehrmalige Überwindung nachweislich sachgerecht errichteter Herdenschutzanlagen bei Hütebetrieben), zur Strecke kommt. Die eine Entnahme rechtfertigenden Sachverhalte müssen transparent dargestellt werden und freilich auch eine gegenteilige öffentliche Meinung aushalten können. Insofern hilft diesbezügliche Geheimniskrämerei nicht weiter.
Unsere Haltung zum Wolf haben wir auch im Plenum mehrfach dargestellt.

AFD

Der Wolf muss dort unbürokratisch entnommen werden, wo er zum Problem für den Bestand anderer Wildarten (beispielsweise Muffelwild), für Nutztierbestände usw. wird. Der Gesetzgeber hat dafür entsprechende Regelungen zu treffen. Die Akzeptanz dieser Wolfsentnahmen ist durch verstärkte Information und Aufklärung der Bevölkerung zu fördern.

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