ASP – und dann?

Nunmehr steht fest, dass Deutschland von drei Seiten von der Afrikanischen Schweinepest bedroht ist. Eigentlich ist es nur eine Frage der Zeit, wann bei uns die Katastrophe ausgerufen wird.

ASP Probenentnahme - Foto Thomas Markert

Am 30.08.2018 fand im Forstbezirk Eibenstock eine Katastrophenschutzübung unter fast realistischen Bedingungen zur Thematik ASP statt. Im Vorfeld wurde ich dazu eingebunden und konnte beobachtend teilnehmen.

Am Vorabend der Übung wurde im Revier ein Stück Schwarzwild erlegt. Dieses Stück lag im Schuss. Die Alarmierung der Katastrophenschutzhelfer erfolgte umgehend, nach einem bereits vorher erarbeiteten Alarmplan. Am frühen Morgen des 30. August 2018 wurde dann das Lagezentrum errichtet, die Arbeitsgruppen waren bereits vorab eingeteilt. Der Ablauf aller Maßnahmen ist in den jeweiligen Katastrophenschutzplänen der Ämter festgelegt.

Nach Ausgabe der Funkgeräte durch den Katastrophenschutz wurden unter Vollschutz Proben am Schwarzwild entnommen und der Kadaver zur vorher eingerichteten Sammelstelle abtransportiert. Anschließend erfolgte die Desinfektion des Waldbodens.

Am Sammelpunkt wurde das Schwarzwild in einer Sammeltonne zwischengelagert und das gesamte Material, einschließlich Helfer und Fahrzeuge, nochmals desinfiziert. Danach erst erfolgte die Verbringung des Wildes zum Ort der endgültigen Entsorgung.

ASP Wildschutzzaun – Foto Thomas Markert

Um die Fundstelle des Tierkörpers herum wurde ein 3,5 km Absperrkreis gezogen und mit einem Wildschutzzaun begrenzt. Dieser besteht aus vier elektrisch leitenden Litzen. Zusätzlich wird Buttersäure zum Vergrämen eingesetzt.

Anschließend suchten zwei sehr versierte Schweißhunde nach fünf weiteren Kadavern. Frische Schwarten waren dazu ausgelegt worden. Gefunden wurden dabei drei, ein weiteres, bereits vor längerer Zeit verendetes Stück, wurde skelettiert aufgefunden.

Mittels einer Drohne, die mit einer Wärmebildkamera ausgerüstet war, wurde erfolgreich nach weiterem Schwarzwild gesucht (simuliert durch Personen).

Mein Fazit:

Als vorläufige Einschätzung habe ich den persönlichen Eindruck, dass seitens der oberen Behörden das praktische Szenario im Ernstfall deutlich unterschätzt wird. Im Katastrophenfall gibt es einen enormen Personalaufwand, dem die Ämter durch ihre personelle Besetzung mit Sicherheit nicht gewachsen sind. Sicher werden dann wir Jäger herangezogen! Dabei sind die Grundlagen und Pläne für unseren Einsatz momentan nicht bekannt. Es muss natürlich auch im Vorfeld über entsprechende Entschädigungen nachgedacht werden. Der Einsatz wird ja auch nicht auf wenige Tage beschränkt sein, sondern sich über Wochen und Monate hinziehen. Mit weitreichenden Konsequenzen, u. a. für Jagd, Ernte und Kontrollen.

Sinn der Übung war die Prüfung des Ablaufes und das Aufdecken möglicher Schwachstellen.

Ich sehe das größte Problem bei der Bereitstellung von Personal über einen längeren Zeitraum.

Die Bergung der Schweine sollte beherrschbar sein. Die Unterhaltung des elektrischen Zaunes über die gesamte Länge ist fraglich.

Sollte bei einem nicht sofort letalen Treffer das Schwarzwild schweißend nachgesucht werden müssen, ergibt sich mit dem Schweiß eine erhebliche Kontaminierung des Waldbodens.

Ebenso erschließt sich mir nicht, dass der direkte Kontakt zu den Kadavern über Vollschutz erfolgt, aber gleichzeitig Hunde zur Suche ungeschützt eingesetzt werden müssen. Es ist praktisch nicht zu vermeiden, dass angeleinte Hunde mit den Kadavern oder auch noch lebendem Wild Kontakt bekommen und über Schweiß bzw. Sekrete Viren aufnehmen. Gezeigt wurde auch, wie ein Hund desinfiziert wurde. Eine sehr fragliche Aktion, die sich aus meiner Sicht nicht erschließt! Eine Weiterverbreitung des Virus über Jagdhunde ist möglicherweise nicht auszuschließen. Ebenso ist es für den Hundeführer durch den Kontakt mit seinem Hund, der mit viralem Schweiß behaftet ist oder sein kann, nicht unproblematisch.

Abschließend möchte ich die Übung als Schritt in die richtige Richtung bewerten. Pläne liegen vor, und nach einem Abschlussbericht sollte zeitnah eine Präzisierung erfolgen.

Wir sind weiterhin in dieser Runde im Erzgebirgskreis gefragt und bringen uns dort auch intensiv bei Fragen zur praktischen Umsetzung ein. Vordergründig ist bei unseren Einsätzen in diesem Fall der Schutz des Jägers und seines Jagdhundes.

Ebenso sind wir in den Gesprächsrunden in den zuständigen Ministerien vertreten.

Thomas Markert
Dipl. (FH), Fa.-Ing.
Vizepräsident LJVSN

ASP Schleuse – Foto Thomas Markert