Tagung des Schalenwildausschusses vom 17.06.2017-Teil II

Da der Jahresbericht der OJB zur Auswertung der Jahresstrecke 2016/17 auf Grund fehlender Zuarbeiten zur Ausschusstagung noch nicht komplett vorlag, möchten wir ihn nachreichen. Sie finden ihn im Internet auf den Seiten des LJVSN unter http://ljv-sachsen.de/jagdnaturschutz/schalenwild/ als „Auswertung Jagdstrecken in Sachsen“.

Auswertung Jagdstrecken in Sachsen Juni 2017

Wie gehen Sie als Jäger um mit Informationen über Schalenwildstrecken in Ihrem jagdlichen Verantwortungsbereich? Welche Details benötigen Sie und wozu? Bei der Beantwortung dieser Fragen gehen Ihnen sicher einige Antworten durch den Kopf, die weit über den Bereich der Neugierde hinausgehen.

Rückblick

Bereits im Januar 2010 traf der Schalenwildausschuss unseres LJVSN in der Gemeinde Spreetal, OT Neustadt zusammen. Eingeladen waren auch Vertreter der UJB Bautzen, Görlitz und Meißen, der LJV-Präsident und Vizepräsidenten sowie Hegegemeinschaftsleiter aus dem damaligen sächsischen Wolfsgebiet. Anlass für den Erfahrungsaustausch waren u.a. offensichtliche Schwierigkeiten bei der Erfüllung der Abschusspläne für Rotwildkälber besonders im Landkreis NOL. Die Rottiere führten nicht mehr genügend Nachwuchs. Es bestand die Vermutung, dass daran auch die örtlich wachsenden Wolfsbestände maßgeblich beteiligt waren. Da verlässliche Antworten noch nicht gegeben werden konnten, wurde festgelegt, die Gründe für den Verbleib der Kälber festzustellen. Gegebenenfalls sollte dann durch Korrekturen im Abschussplan gegengesteuert werden, da ansonsten ein natürlicher Altersaufbau sowie die Sozialstrukturen in den Rotwildpopulationen gestört werden könnten, was wiederum nachteilige Auswirkungen auf den Schalenwildbestand hätte. Allgemein bestand Klarheit darüber, dass Wölfe ihre Beute vor allem dann jagen, wenn sie leicht ereichbar und zu töten ist, d.h. kranke, alte und schwache Tiere (Kälber). Das heißt nicht, dass keine adulten Tiere – insbesondere durch Wolfsrudel – gerissen werden. Unverständlich blieb zunächst der komplexe wissenschaftliche Nachweis über diese Vorgänge in unseren Wolfsgebieten und deren langfristige Einflüsse auf das Schalenwild.

Erfahrungen anderer osteuropäischer Staaten

Ausländische Wissenschaftler, so z.B. der Slowake P. HELL (†) oder eine Gruppe bulgarischer Wissenschaftler um A. OBRETENOV et al. „Der Wolf (Canis lupus L.) in Bulgarien“ (2014) Beitr. Jagd- und Wildforschung 39: S. 204 berichteten über ihre Erfahrungen. So schreiben Letztere zur Situation in Bulgarien:

Die Expansion des Wolfes in den 90er Jahren war von einem starken Rückgang des Schalenwildes begleitet… dementsprechend schrumpfte die jährliche Nutzung des Rotwildes von etwa 1.100 Stck. auf 50 – 150 Stck…. Ein weiterer wichtiger Umstand war, dass die Beobachtungen der Bestandsstruktur des Schalenwildes überall ein völliges oder fast völliges Fehlen von Nachwuchs oder Jungtieren feststellten, eine offensichtliche Folge der hohen Bestandszahl des Wolfes… Bei fehlendem Nachwuchs hat der nicht nachlassende Abschuss schnell zum allgemeinen Erschöpfen des Schalenwildbestandes gegen das Ende der 90er Jahre geführt. … Im nachfolgenden Jahrzehnt haben sich die Hirschartigen allmählich erholt und die Bestände nehmen wieder zu“.

Schalenwild im Wolfsgebiet der Oberlausitz

Über deutlich fehlende Kälber wurde auch an Hand von Untersuchungen zum Schalenwild im Wolfsgebiet der Oberlausitz berichtet (M. NITZE 2012). Das kann auch durch eigene Beobachtungen eines großen Rotwildrudels in der Westlausitz bestätigt werden.

Seit vergangenem Jahr liegt nunmehr der „Abschlussbericht zum Wolfsgebiet der Oberlausitz“ von ROTH M., MEIßNER-HYLANOVA V., WAGNER C., DEEKEN A. & STIER N. (2016), 92 S. vor. Das Ziel des Forschungsprojektes bestand darin, das Raum-Zeit-Muster von Rotwild und anderen Schalenwildarten im sächsischen Wolfsgebiet inner- und außerhalb störungsarmer Untersuchungsgebiete und deren Schalenwild-Populationsdichten zu erfassen sowie die Analyse der Rottier-Kalb-Beziehungen durch Markierung und Telemetrierung fortzusetzen.

Durch seinen aktuellen wissenschaftlichen Bezug werden auch dem jagdlichen Praktiker wesentliche Erkenntnisse zur Bewirtschaftung des Schalenwildes in unseren Jagdrevieren vermittelt. Diese sollten Grundlage des Handelns in unseren Hegeringen sowie in gemeinsamer Arbeit mit den UJB und den Hegegemeinschaften sein. Welche konkreten Fetstellungen konnten u.a. getroffen werden:

  • Das untersuchte Rotwild in der Lausitz hat trotz Anwesenheit der Wölfe ein vermutlich lebenslanges standorttreues Raumnutzungsmuster. Regelmäßig werden saisonal Winter-, Sommer- und Brunftgebiete aufgesucht. Dadurch folgen insbesondere weibliche Kälber der traditionellen Raumnutzung derAlttiere.
  • Der Anteil, den die Wölfe vor allem bei Rot-und Damwild erbeuten, muss unbedingt bei der Abschussplanung und –durchführung berücksichtigt werden. Nur so können die Bestände nachhaltig bejagt werden. Grundlage dazu bildet die solide Ermittlung der Schalenwilddichte – auch in wolfsfreien Gebieten.
  • Mit im Durchschnitt einem Kalb je Rottier und zwei Kitzen je Ricke gleichen beide Arten den Prädationsdruck durch höhere Geburtenraten nicht aus. Ein leicht verschobenes Geschlechterverhältnis zugunsten des weiblichen Rehwildes (ca. 40:60) müsste zukünftig in noch größerem Umfang untersucht werden.
  • Nach den Untersuchungsergebnissen scheinen in den drei Untersuchungsgebieten jährlich etwa 20% des adulten Rotwildes und etwa 1/3 der Rotkälber durch Wölfe gerissen zu werden oder durch andere natürliche Todesursachen zu verenden.
Abschlussbericht Mai 2015

Mir ist klar, dass damit zur kritischen Bestandssituation des Muffelwildes und übrigen Schalenwildes in der Lausitz hier keine Bewertung getroffen werden kann. Hierzu verweise ich auf A. WITH & R. KOTZUR „Erkenntnisse sächsischer Jäger zur Rückkehr der Wölfe unter besonderer Beachtung ihrer ökologischen, ökonomischen und sozialen Auswirkungen sowie der zunehmenden Anforderungen an ein belastbares Monitoring“, Mitteilungsblatt des LJV Sachsen, Heft 3, S. 7-15, 2017.

An Herrn Marschner vielen Dank für seinen Vortrag auch im Namen des anwesenden Präsidenten Frank Conrad und des Vizepräsidenten Thomas Markert.