Aktuelles & Wissenswertes

EU-Liste invasiver Arten veröffentlicht

Seit dem 13. Juli 2016 ist es nun offiziell: dem Waschbär wird der Kampf angesagt. Wie schon seit einiger Zeit vermutet wurde, wurde der Waschbär, neben 22 weiteren Tier- und 14 Pflanzenarten, auf die sogenannte “37er-Liste” gesetzt.
Hierzu die Pressemeldung des Deutschen Jagdverbandes vom 19.07.2016:

Die Europäische Union (EU) hat den Waschbär (Procyon lotor) in die Liste der invasiven, gebietsfremden Arten aufgenommen, deren primäres Ziel die Eindämmung der Arten ist. Der Deutsche Jagdverband (DJV) befürwortet diese Entscheidung. „Da der Waschbär dem Jagdrecht unterliegt sind Jäger kompetente Ansprechpartner, wenn es um die Reduzierung von Wildtierbeständen in der Fläche geht“, sagt Dr. Jürgen Ellenberger, DJV-Präsidiumsmitglied und zuständig für Neozoen. „Aber öffentliche Aufträge bedürfen öffentlicher Mittel.“ Der DJV fordert eine finanzielle Unterstützung der Jäger. Dies könnte etwa das Bezuschussen von Fallen, elektronischen Fallenmeldern und Fahrtgeld sein, denn Fangjagd ist zwar eine äußerst effektive Jagdart, aber sehr kosten- und zeitaufwändig.
Die Bemühungen der EU werden jedoch im Moment von einigen Bundesländern mit neuen Jagdgesetzgebungen konterkariert: In Hessen etwa ist die Jagdzeit des Waschbären auf den Zeitraum vom 1. August bis zum 28. Februar reduziert worden. „Dies ist völlig unpraktikabel, da die Tiere in der Hälfte der Zeit sehr inaktiv und damit kaum zu bejagen sind“, ist Ellenberger überzeugt. Die Bejagung von Jungwaschbären fällt so ebenfalls weg. Um eine Art einzudämmen, ist gerade das Entnehmen des Nachwuchses nötig. In anderen Bundesländern ist die Fangjagd prinzipiell verboten, wie etwa in Berlin. Jäger sprechen sich jedoch gegen einen Vernichtungsfeldzug aus: Der Elterntierschutz gilt auch für invasive Arten – Waschbärmütter, die Junge versorgen müssen, dürfen auch künftig nicht bejagt werden.

Ausrottung des Waschbären unmöglich

„Eines muss klar sein: Es ist nicht möglich, den Waschbären aus Deutschland wieder zu entfernen. Er hat sich etabliert und wird Deutschland auch weiter erobern“, sagt Dr. Jürgen Ellenberger. Wir können jedoch beeinflussen, wie schnell er sich ausbreitet und wie stark sein räuberischer Einfluss auf die heimische Tierwelt ist. Die bisher vorliegenden Daten sind alarmierend: Seit 2005 beobachten Forscher in Brandenburg einen vehementen Bestandsrückgang der Europäischen Sumpfschildkröte. Wo der Waschbär vorkommt, weist nahezu jedes zweite Reptil schwere Verletzungen auf, wie abgebissene Gliedmaßen und Schwänze. In Thüringen macht der Waschbär dem Uhu die Brutplätze streitig. Er besetzt zwischenzeitlich jeden zweiten potenziellen Brutplatz. Außerdem liefern die Jäger über ihr WILD-Monitoring (Wildtier-Informationssystem der Länder Deutschlands) seit 2006 wertvolle Daten zur Ausbreitung des Waschbären. Demnach hat der Waschbär sein Verbreitungsgebiet deutschlandweit in sieben Jahren nahezu verdoppelt und kommt jetzt fast in jedem zweiten Jagdrevier vor (46 Prozent).
„Wenn wir die heimische Artenvielfalt erhalten wollen, gibt es nur zwei Stellschrauben: Lebensräume erhalten und verbessern sowie Fressfeinde reduzieren“, sagt Dr. Jürgen Ellenberger. Angesichts der rasanten Ausbreitung räuberisch lebender, gebietsfremder Arten und dem fortschreitenden Lebensraumverlust etwa für Arten der Offenlandschaft und Feldflur fordert der DJV eine flächendeckende Bejagung. Dies schließt auch urbane Räume mit ein.

Käseglockennaturschutz veraltet

Völlig gegenläufig sind die derzeitigen politisch motivierten Bemühungen, in Kernarealen von Schutzgebieten die Jagd auf Waschbären auszusetzen. „Es ist absurd, dass wir auf der einen Seite über Beseitigungsfeldzüge gegen invasive Arten diskutieren und auf der andereren Seite großflächig eine Bejagung von Prädatoren in keiner Weise stattfindet“, so Ellenberger. Besonders Flächeneigner wie die Deutsche Bundesstiftung Umwelt (DBU) sollten sich dringend überlegen, ob sie ihrem Verständnis von aktivem Artenschutz überhaupt noch gerecht werden können. Gleiches gilt für Flächeneigner wie NABU und BUND. „Das gesamte Schutzgebietssystem und das derzeitige Konzept des Artenschutzes in Deutschland gehören auf den Prüfstand“, fordert Ellenberger.

Schluss mit dem Etikettenschwindel beim NABU

Der DJV fordert Naturschutzverbände vor dem Hintergrund der EU-Entscheidung auf, sich zur Fangjagd zu bekennen und auch auf Bundesebene intensiver mit Jägern zu kooperieren: Auf Bundesebene positioniert sich der NABU „gegen den Fallenfang im Rahmen der Jagdausübung“, findet dieses Mittel aber legitim im Rahmen des „Wildtiermanagements“ und setzt es bundesweit in Projekten ein. „Dem Fuchs ist es egal, ob auf der Falle ‚Jagd‘ oder ‚Wildtiermanagement‘ steht. Das ist moderner Etikettenschwindel“, fasst Dr. Ellenberger zusammen.

Im Amtsblatt der Europäischen Union wurde am 14. Juli eine Liste mit 37 invasiven, gebietsfremden Tier- und Pflanzenarten veröffentlicht; rechtskräftig wird diese am 3. August 2016. Diese Liste ist in Verbindung mit einer seit Januar in Kraft getretenen Verordnung der EU zu sehen, die Mitgliedsstaaten zu verstärkten Bemühungen gegen die Ausbreitung invasiver, gebietsfremder Arten verpflichtet.

Die DURCHFÜHRUNGSVERORDNUNG (EU) 2016/1141 DER KOMMISSION vom 13. Juli 2016 zur Annahme einer Liste invasiver gebietsfremder Arten von unionsweiter Bedeutung gemäß der Verordnung (EU) Nr. 1143/2014 des Europäischen Parlaments und des Rates finden sie hier.

Anbei die vollständige Artenliste der EU-Verordnung 1143/2014:

Pflanzen

Baccharis halimifolia – Kreuzstrauch
Cabomba caroliniana – Karolina-Haarnixe
Eichhornia crassipes – Dickstielige Wasserhyazinthe
Heracleum persicum – Golpar
Heracleum sosnowskyi – Sosnowsky-Bärenklau
Hydrocotyle ranunculoides – Hahnenfußähnlicher Wassernabel
Lagarosiphon major – Krause Afrikanische Wasserpest
Ludwigia grandiflora – Großblütiges Heusenkraut
Ludwigia peploides – Flutendes Heusenkraut
Lysichiton americanus – Gelbe Scheinkalla
Myriophyllum aquaticum – Brasilianisches Tausendblatt
Parthenium hysterophorus L.
Persicaria perfoliata – Durchwachsener Knöterich
Pueraria montana – Kudzu

Tiere

Waschbär (Foto: Carol Scholz)

Callosciurus erythraeus – Pallashörnchen
Corvus splendens – Glanzkrähe
Eriocheir sinensis – Chinesische Wollhandkrabbe
Herpestes javanicus – Kleiner Mungo
Lithobates catesbeianus – Nordamerikanischer Ochsenfrosch
Muntiacus reevesi – Chinesischer Muntjak
Myocastor coypus – Nutria
Nasua nasua – Südamerikanischer Nasenbär
Orconectes limosus – Kamberkrebs
Orconectes virilis – Viril-Flusskrebs
Oxyura jamaicensis – Schwarzkopfruderente
Pacifastacus leniusculus -Signalkrebs
Perccottus glenii – Amur-Schläfergrundel
Procambarus clarkii – Roter Amerikanischer Sumpfkrebs
Procambarus fallax – Marmorkrebs
Procyon lotor – Waschbär
Pseudorasbora parva – Blaubandbärbling
Sciurus carolinensis -Grauhörnchen
Sciurus niger – Fuchshörnchen
Tamias sibiricus – Burunduk
Threskiornis aethiopicus -Heiliger Ibis
Trachemys scripta – Nordamerikanische Buchstaben-Schmuckschildkröte
Vespa velutina nigrithorax – Asiatische Hornisse

DJV begrüßt IUCN-Stellungnahme zu Auslandsjagd

Nachhaltiger Jagdtourismus ist Naturschutz-Instrument
(Berlin, 18. April 2016) Die Internationale Union zur Bewahrung der Natur und natürlicher Ressourcen (IUCN) hat kürzlich ein Dokument veröffentlicht, das Jagdtourismus als Instrument des Naturschutzes würdigt: „Legale und gut regulierte Trophäenjagd trägt wesentlich zum Schutz des Wildes wie auch zum Lebensunterhalt und Wohl der einheimischen Bevölkerung bei, die Seite an Seite mit dem Wild lebt“. Das 19-seitige Dokument enthält zahlreiche wissenschaftliche Belege. Das Informationspapier richtet sich ausdrücklich an die europäischen Entscheidungsträger in Brüssel, die gerade weitere Restriktionen bei der Trophäeneinfuhr vorbereiten. Der DJV begrüßt die IUCN-Klarstellung zur Auslandsjagd und fordert die Politik in Europa und Deutschland auf, von einem generellen Einfuhrverbot für Trophäen abzusehen, da die Schäden für den Naturschutz immens wären. Die IUCN mit ihren 1.250 Mitgliedern, davon 90 staatliche Umwelt- oder Außenministerien und viele nationale und internationale Nichtregierungsorganisationen, ist weltweit eine der wichtigsten Stimmen im Natur- und Artenschutz.
„Angesichts der derzeit kontroversen Diskussion zu Jagdtourismus in Politik und Öffentlichkeit sind die klärenden Worte der IUCN sehr wichtig“, sagte DJV-Vizepräsident Dr. Wolfgang Bethe. Nachhaltige Jagd könne auch in Afrika oder Zentralasien wichtige Beiträge zum Naturschutz leisten, indem Wildtiere einen monetären Wert erhielten. Das schütze sie vor Wilderei und somit vor der Ausrottung. Der maßgeblich auf Initiative des deutschen Umweltministeriums zustande gekommene Entwurf einer EU-Resolution zur Trophäeneinfuhr für die kommende CITES-Artenschutzkonferenz in Südafrika ist nach DJV-Ansicht ein bürokratisches Monster. Er würde die nachhaltige Jagd erschweren, für den Artenschutz aber nichts bringen.
Der DJV erwartet von allen Auslandsjägern, dass sie sich nicht nur gesetzeskonform verhalten und das Washingtoner Artenschutzabkommen beachten, sondern dass sie auch nur an solchen Jagden teilnehmen, die nachhaltig sind und die Gebote des Tierschutzes beachten. Auslandsjagd muss direkt oder indirekt zum Erhalt der Artenvielfalt beitragen, und die finanziellen Erträge sowie das Fleisch sollen auch der Bevölkerung vor Ort zugutekommen. Genauso wie die IUCN distanziert sich der DJV von jeder Form illegaler oder naturschutzwidriger Trophäenjagd und fordert die Jagdländer auf, durch Reformen und gesetzliche Maßnahmen eventuell bestehende Missstände zu beseitigen.
Das IUCN-Dokument gibt es hier: http://cmsdata.iucn.org/downloads/iucn_informingdecisionsontrophyhuntingv1.pdf

(DJV)

Von Neophyten und Neozoen…

TU Dresden

Im Rahmen der Naturschutztätigkeit besuchte Frau Stephanie Lessel am 03. März 2016 das wissenschaftliche Kolloquium mit dem Thema „Anbau nicht einheimischer Baumarten – unverzichtbar oder unverantwortbar“ an der TU Dresden/Tharandt. Doch ging es nicht – wie der Titel des Kolloquiums es vermuten ließe – nur um Neophyten. Auch Neozoen waren ein wichtiges Thema der Tagung.

Nach der Begrüßung durch den sächsischen Staatsminister und den Vorsitzenden des Stiftungsrates der Sächsischen Landesstiftung Natur und Umwelt, Herrn Thomas Schmidt, erläuterte Prof. Dr. Peter A. Schmidt, ehem. Professor für Landeskultur und Naturschutz, die Begriffe „nicht einheimisch“, „etabliert“ und „invasiv“. Er wies ebenso daraufhin, dass unabsichtlich oder absichtlich eingeführte Arten, mit hohem Ausbreitungs- und Verdrängungspotenzial mittlerweile zu einem weltweiten Problem geworden sind. Derartige invasive Arten können immense Schäden in einer neu besiedelten Region anrichten. In Sachsen gehört z. B. die Robinie (Robinia pseudoacacia) zu den invasiven Arten.

Als wichtigster Vortrag des Tages konnte jedoch der Vortrag von Stefan Leiner, Leiter der Abteilung Biologische Vielfalt der Generaldirektion Umwelt der Europäischen Kommission, gewertet werden. Herr Leiner berichtete über die neue EU-Verordnung Nr. 1143/2014. Dies ist die neue Verordnung über invasive gebietsfremde Arten, welche am 01. Januar 2015 in Kraft trat. Mit Hilfe dieser Verordnung soll ein EU-weiter Rahmen für Maßnahmen geschaffen werden, um folglich die negativen Auswirkungen von invasiven Arten auf Artenvielfalt und Ökosystemleistungen zu verhindern, zu minimieren und abzuschwächen. Weiterhin soll der Schaden für die Wirtschaft und die menschliche Gesundheit in Grenzen gehalten werden. Die Verordnung umfasst drei unterschiedliche Ansatzpunkte: 1. Prävention (verhindern, dass neue invasive Arten in die EU gelangen) 2. Frühwarnung/schnelles Eingreifen (Frühwarnsystem der Mitgliedsstaaten, um neue invasive Arten schnellstmöglich zu erkennen und schnelle Gegenmaßnahmen einzuleiten(sofortiges Melden & Beseitigen der Art, Etablierung der invasiven Arten soll verhindert werden) 3. Kontrolle (von bereits etablierten Arten, weitere Vordringen in neue Gebiete muss verhindert werden) Im Rahmen dieser EU-Verordnung wurde eine Liste („Unionsliste“) erstellt, welche bisher 37 EU-weit invasive und problematische Arten enthält. Hierzu zählen u. A. die Asiatische Hornisse (Vespa velutina), das Fuchs- und Grauhörnchen (Sciurus niger und Sciurus carolinensis), und der Amerikanische Ochsenfrosch (Lithobates catesbeianus) sowie z. B. Kudzu (Pueraria montana), Muntjac (Muntiacini) und der Durchwachsene Knöterich (Persicaria perfoliata). Veröffentlicht wird die vollständige Liste jedoch erst im Sommer 2016. Allerdings ist bereits jetzt klar: auch Arten, welche dem Jagdgesetz unterliegen befinden sich auf der Unionsliste. Bekannt ist hiervon bisher jedoch lediglich der Waschbär (Procyon lotor). Aktuell wird geschätzt, dass in Zukunft 200 weitere Arten auf die „Unionsliste“ gesetzt werden könnten. Alle Arten, die auf o. g. Liste stehen, dürfen in Zukunft nicht mehr in die EU eingebracht werden, nicht gehalten, gezüchtet, verwendet oder getauscht werden, nicht in die Umwelt freigesetzt oder zur Fortpflanzung gebracht werden. Natürlich wird es im Hinblick auf Forschung, Ex-situ-Haltung, medizinische Versorgung und Nutzungen mit zwingendem öffentlichen Interesse Ausnahmen geben. Im Rahmen des künftigen Kontroll- und Überwachungssystems werden auch die Jäger (bzgl. der Arten, welche dem Jagdrecht unterliegen) eine Rolle spielen, auch sie werden sich an Meldungen und den Kontrollen beteiligen müssen. Wie das genau aussehen soll, werden die Mitgliedsstaaten in den nächsten drei Jahren im Rahmen von Aktionsplänen festlegen (Vgl. EU-VO § 13 (2). Die vollständige EU-Verordnung finden sie als Download unter destinet.eu/resources/…-various-target-groups/individual-puplications/verordnung-eu-nr.-1143-2014-des-europaeischen-parlaments-und-des-rates-ueber-die.

Im Hinblick auf die EU-Verordnung 1143/2014 stellte Frau Dr. Schmiedel die neuen „Management-Handbücher zum Umgang mit gebietsfremden Arten in Deutschland“ vor (Band 1: Pilze, Niedere Pflanzen und Gefäßpflanzen; Band 2: Wirbellose Tiere und Wirbeltiere), in welchen geeignete Hinweise zum Management von 168 gebietsfremden Arten gegeben werden.

Auch in Bezug auf die Stellungnahmentätigkeit des LJVSN konnte das Kolloquium als äußerst relevant angesehen werden. Prof. Roloff gab bspw. Hinweise, welche fremdländischen, nicht invasiven Baumarten für den städtischen Bereich geeignet sind. Interessant ist die Tatsachse, dass Neophyten unter den Stadt-Baumarten bereits 50 % und unter den Straßen-Baumarten schon 75 % ausmachen. Davon wird jedoch lediglich 1 % als tatsächlich invasiv und umweltschädigend angesehen. Als invasiv gelten in jedem Fall Acer negundo (Eschen-Ahorn), Robinia pseudoacacia (Robinie) und Ailanthus altissima (Götterbaum).

Alles in allem war es ein sehr gelungenes und hochinteressantes wissenschaftliches Kolloquium mit sehr vielen verschiedenen Thematiken: Von den grundsätzlichen Begriffsdefinitionen der Invasivität und Etablierung über die EU-Verordnung Nr. 1143/2014, dem Bundesnaturschutz, der künftigen Stabilität der sächsischen Wälder (Stichwort Klimawandel) über künftig potentiell geeignete Stadt-Baumarten bis hin zu invasiven Insektenarten, wie etwa dem Asiatischen Laubholzbockkäfer (Anoplophora glabripennis), waren viele interessante Referate und Diskussionen zu hören.

Zusammenfassend ist zu sagen, dass fremdländische bzw. gebietsfremde Pflanzenarten aus unseren Parks und Gärten und an Straßenrandbereichen nicht mehr weg zu denken sein werden. Weiterhin wird in Zukunft vermehrt auf fremdländische Arten gesetzt werden, zumindest was den künftigen Waldbau und die Stadtgestaltung betrifft. Hinsichtlich der Neozoen bleibt abzuwarten, welchen Umfang und welchen Detailliertheitsgrad die Aktionspläne annehmen werden und inwieweit eine Umsetzung dieser erfolgt.

Stephanie Lessel
Mitarbeiterin Naturschutz/Öffentlichkeitsarbeit

Warum sind Jäger Naturschützer?

Rehgeiß beim äsen

Naturschutz ist leider keine objektive Wissenschaft, sondern eine von Meinungen und Überzeugungen geprägte gesellschaftspolitische Übereinkunft über Schutzprojekte und Schutzstrategien, festgeschrieben in Naturschutzgesetzen.
Der klassische Naturschutz basiert auf der Unterschutzstellung bestimmter Flächen. Solche räumlich begrenzten Schutzgebiete reichen, wie die Vergangenheit gezeigt hat, für die dauerhafte Erhaltung von Arten und Lebensgemeinschaften jedoch meist nicht aus. Sie sind zu klein, zu wenig vernetzt oder werden zu stark von angrenzender Intensivnutzung beeinträchtigt.
Deshalb fordern viele Naturschützer heute den flächendeckenden Naturschutz. Ein solches Ziel kann jedoch nur erreicht werden, wenn die Eigentümer der Flächen, das sind klassischerweise die Land- und Forstwirte, in die Planung und Umsetzung einbezogen werden. Voraussetzung dafür ist, dass die Kluft zwischen “Naturschützern” und “Naturnutzern” überwunden wird und die verschiedenen Naturschutzverbände an einem Strang ziehen.
Jäger haben die Möglichkeit zum flächendeckenden Naturschutz: Sie wirken in die Landschaft hinein und haben einen direkten Zugriff auf die Fläche. Denn sie stehen in engem Kontakt zu den Grundeigentümern, von denen sie ihr Jagdrevier gepachtet haben. Durch die langfristige Verpachtung der Reviere können Naturschutzprojekte über Jahre hinweg durchgeführt werden.
Jäger übernehmen echte Naturschutzaufgaben, von daher sind die meisten Landesjagdverbände, wie auch der DJV, anerkannte Naturschutzvereinigungen.
Ihre Stärke liegt im angewandten, praktischen Naturschutz. Dazu zählt z. B. die Einrichtung von Ruhezonen oder die Schaffung von Äsungs- und Deckungsflächen für das Wild. Solche neu eingesäten oder bepflanzten Flächen sind nicht nur für das Wild wichtig. Gerade in intensiv genutzter Landschaft bieten Wildäcker, Hecken und Gebüsche, Kräuter- und Blütenpflanzen vielen selten gewordenen Reptilien, Vögeln, Schmetterlingen, Hummeln und anderen Insekten neuen Lebensraum.
Auch die Pflege von Streuobstwiesen oder die Anlage eines Laichgewässers am Waldrand gehört zu den typischen Naturschutzmaßnahmen der Jäger. Über diese Einzelmaßnahmen hinaus haben sie in vielen Bundesländern eigene großflächige und langfristige Artenschutzprogramme z. B. für Rebhuhn, Auerwild, Birkwild, Haselwild, für Großtrappe, Seehund und Fischotter ins Leben gerufen.
Hier wird nicht nur gepflanzt und gesät, sondern auch wissenschaftlich gearbeitet. Es erfolgen Bestandserhebungen durch Frühjahrs- und Herbstzählungen, es werden Biotopstrukturen und Umweltfaktoren erfasst, Klima- und Witterungsdaten ausgewertet, bodenkundliche Werte ermittelt. Sie bilden die Basis für die weitere Projektplanung.

(DJV)