Weidmannssprache

Die Sprache der Jäger hat eine lange Tradition und gilt als die älteste und umfangreichste Fachsprache im deutschsprachigen Raum. Sie ist bezeichnend und poesievoll zugleich. Sie lebt und ist lebendig, wenn sie gepflegt und gesprochen wird. Viele umgangssprachliche Begriffe sind ersetzt durch dem kundigen Jäger bekannte Begriffe. Sie beschreiben eine Erscheinung oder ein Handeln oftmals viel besser als es die Umgangssprache kann. Nur derjenige, welcher der Jägersprache mächtig ist, versteht, wovon die Rede ist. Damit ist die Jägersprache ein wesentliches Element für das Zusammengehörigkeitsgefühl der Jäger. Wer so spricht, gehört dazu und kennt sich aus.
In vergangener Zeit ohne Zertifikate und Ausweise konnte man den Jäger an den richtigen Antworten auf Weidsprüche erkennen. Diese waren solche, die sich auf die Ausübung der Jagd selbst bezogen oder belehrend waren, oder auch als Wechselreden geführt wurden. Auch Rätselfragen wurden gebraucht.

Einige Beispiele:

Ho, Ho lieber Weidemann wo hat der edle Hirsch seinen ersten Sprung getan?

Das will ich dir wohl sagen an, den ersten Sprung
hat der edle Hirsch aus der Mutter Leib getan!
(Hirschkühe gebären stehend, das Kalb fällt zu Boden.)

Sag’ mir an mein lieber Weidmann;
Was macht den Wald weiß, was macht den Wolf greis,
was macht den See breit, woher kommt alle Klugheit?

Das will ich dir sagen schon;
Das Alter macht den Wolf greis, der Schnee macht den Wald weiß,
und das Wasser den See breit, vom schönen Jungfräulein kommt alle Klugheit.

Weidmann, lieber Weidmann sag’ mir an,
Wovor muß sich hüten der gute Weidmann?

Lieber Weidmann, das kann ich dir sagen an;
Viel Worte und Schwätzen, tu den Weidmann verletzen.

Diese Beispiele sollen neugierig machen, weiteres finden Sie in der älteren Literatur.
Aber nicht nur Lehr- und Weidsprüche machen die Jägersprache aus, auch die folgenden Hinweise sind hier nur als Beispiele gedacht:

Wild hat keine Ohren sondern Lauscher, Teller, Löffel und Gehöre. Es hat statt Augen Lichter und Seher. Es sieht, hört und riecht nicht, es vernimmt und windet.

Unmöglich an dieser Stelle die Weidmannssprache zu erläutern. Der Interessierte sei auf das Lexikon der Weidmannssprache verwiesen (VMA-Verlag Wiesbaden, 1996), das umfangsreichste der deutschsprachigen Fachsprachen.

Viele Elemente der Jägersprache sind in den allgemeinen Sprachschatz des Volkes übernommen worden.